Weihnachtschrift 2016 befasst sich mit erstem Weltkrieg

Mag auch der zeitliche Abstand von 100 Jahren nahelegen, dass der Erste Weltkrieg weitgehend aus unserem Bewusstsein verschwunden ist, so besteht das Verdienst der Weihnachtsschrift der "Freunde des Willibald-Gymnasiums" darin herauszuarbeiten, welche fundamentalen Auswirkungen dieses Ereignis damals auf alle Lebensbereiche hatte.

 

 


Konrad Kögler, der als exzellenter Kenner der Kulturgeschichte des Jura bekannt ist, untersucht in seinem Aufsatz "Dokumente zum kulturellen Kontext des Ersten Weltkriegs", wie dessen Ausbruch den Streit um die Reform des Gymnasiums verschärfte. Verfügte das Humanistische Gymnasium bis zu diesem Zeitpunkt insofern über eine Monopolstellung, weil es als einzige Schulform zum Abitur führte, das ein Studium aller akademischen Berufe ermöglichte, stellte man sich in einer Woge vaterländischer Begeisterung die Frage, ob in Zukunft am Gymnasium nicht dem Deutschen - sei es bezüglich der Sprache oder auch der Kultur - eine wichtigere Stellung zukommen sollte.

Reformer wollten die Gunst der Stunde nutzen, um schließlich zu einer höheren Schulform zu kommen, die gänzlich auf Griechisch und Latein verzichten sollte. Es wurde die bizarre Frage diskutiert, ob die Absolventen eines Humanistischen Gymnasiums mit dem gleichen patriotischen Eifer an die Front zögen wie zum Beispiel die Absolventen der Realschulen. Im Kriegsalltag stellte sich aber heraus, dass es bei der Bereitschaft, für das eigene Vaterland zu kämpfen, keine Unterschiede zwischen den Absolventen der verschiedenen Schularten gab. Kögler zitiert dann aus Handreichungen für den Unterricht, die erahnen lassen, dass sich auch der Unterricht am Gymnasium fast vollständig dem Ziel, Kriegsbegeisterung zu erzeugen, unterwarf.

In einem weiteren Abschnitt wird auf die zahlreichen ehemaligen Schüler des Humanistischen Gymnasiums verwiesen, die nicht mehr nach Hause zurückkehrten. An diese Gefallenen erinnern Gedenktafeln, die sich noch heute am Gebäude des Willibald-Gymnasiums befinden.

Interessante Schlüsse lassen schließlich die Themen der deutschen Schulaufgaben zu, die der Autor für die Kriegsjahre zusammengestellt hat. Schüler sollten die Zitate bedeutender Schriftsteller wie Goethe und Schiller auf ihre vaterländische Substanz hin untersuchen. Auch musste zum Beispiel im Schuljahr 1916/17 die Frage diskutiert werden, warum Deutschland unbedingt Kolonien benötige.

Als Beispiel für die vaterländische Begeisterung, die zumindest nach außen hin demonstriert wurde, führt Köglers Aufsatz eine Hindenburgfeier an, die im Oktober 1917 am Humanistischen Gymnasium abgehalten wurde. Sowohl das Programm als auch die Texte und Gedichte, die damals von Schülern vorgetragen wurden, konnten im Archiv des Willibald-Gymnasiums aufgefunden werden und sind abgedruckt.

Johann Kraus hingegen betont im Vorwort zu seinem Aufsatz "Kaffeesatz und Badewannen für den Endsieg" die Absicht, einen Ansatz zu verfolgen, der dieses zentrale geschichtliche Ereignis aus der Sicht des "kleinen Mannes" verfolgt. "Geschichte von unten" also, die an vielen Beispielen aufzeigt, wie praktisch jeder von den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs betroffen war. Im ersten Abschnitt wird die Stimmung in Eichstätt beschrieben, nachdem Deutschlands Eintritt in die Kriegshandlungen nicht mehr abzuwenden war. Anhand von umfangreichem Bild- und Textmaterial gelingt es dem Autor auf eindringliche Weise nachzuvollziehen, wie der allgemeinen Begeisterung eine deutliche Ernüchterung folgte, die mit Fortdauer der Kampfhandlungen und den damit verbundenen Verlusten in Verzweiflung umschlug.

Interessantes Bildmaterial hat Kraus in dem Abschnitt zusammengetragen, der sich mit den gefangenen Franzosen auf der Willibaldsburg beschäftigt. Beklemmend wird es, als mehrere Quellen zitiert werden, die die persönliche Not ausdrücken, in die der Krieg viele Bewohner des Juras stürzte.

Schließlich erfolgt noch ein kurzes Fazit, welchen Tribut Eichstätt dem Ersten Weltkrieg zahlen musste, und das fast schon frustrierend anmutende Fazit von Kraus, dass immer "der kleine Mann die Zeche bezahlen muss, die ihm die große Politik eingebrockt hat".

 

Text und Foto: Hans Kraus