"Aulakapazitätssprengende" karnevalistische Veranstaltung

 

Wenn einerseits Pflanzen auf Donald Trump treffen, andererseits Sketche von, mit und „gegen“ Lehrer auf die Bühne gebracht werden, dann ist die Rede von der Faschingsrevue. Am vergangenen Mittwoch war es wieder soweit, als diese traditionelle Faschingsveranstaltung stattfand - in der vollbesetzten Aula des Willibald-Gymnasiums.



Und in der Tat musste Schülersprecher Benedikt Haunschild ein neues, noch nicht im Duden definiertes Wort erfinden, um die diesjährigen Menschenmengen in der Aula zu beschreiben: Mit „aulakapazitätssprengend“ versuchte er den Umstand zu umschreiben, dass neben den abgezählten vierhundert Stühlen wohl auch noch einmal knapp 200 Gäste die Show im Stehen verfolgen mussten.


 

Dabei ist es freilich kein Wunder, dass dieser karnevalistische Abend so viele Leute anzieht, denn er kann ja nicht nur auf eine mittlerweile schon jahrzehntelange Tradition im jährlichen Veranstaltungskalender der Schule zurückblicken, sondern steht seit jeher auch für eine nette und humoristische Parodie des Schulalltags. Wann sonst, wenn nicht im Fasching, ist es den Schülern erlaubt, ihren Lehrern einmal den Spiegel vorzuhalten und sie auch einmal durch den Kakao zu ziehen. Verkehrte Welt also am Willibald-Gymnasium. Auch die Tatsache, dass sich Lehrer und sogar der Direktor an diesem Tag zu kleinen neckischen Darbietungen auf die Bühne bitten ließen, machte den besonderen Charme dieser Schulveranstaltung aus, bei der in diesem Jahr 17 Stücke zur Aufführung kamen.


 

So zeigte etwa die Klasse 6c die Turbulenzen im Schulalltag auf, während die 5c einen Mathelehrer mit einer Sprachsoftware um den Verstand brachte. Einen Ausflug in die Welt von Harry Potter lieferte die Klasse 6a: Hier mussten sich Lehrer für die berühmte Zauberschule Hogwarts bewerben. Während die Klasse 5d die verschiedenste Lehrertypen karikierte und dabei allerdings offen ließ, ob sich der lässige, gemütliche oder sportliche Typ auch am WG befindet, präsentierte die Klasse 5a vier Arten von Schülern. Mit einem Schlauch als neuestem Modeschrei trat die Klasse 5b auf die Bühne. Auch Robin Hood musste am Mittwoch herhalten: Seine Lebensgeschichte wurde mit verschiedensten Einstellungen wie schnell oder emotional von einem Filmteam abgedreht. Originell war der Einfall der Klasse 8B: Mit nacheinander aufgedeckten und beschriebenen Plakaten führten zwei Schüler ein Gespräch, um mit der letzten Karte die Gäste in die Pause zu schicken, die von der Bigband musikalisch umrahmt wurde.


 

Auch wenn das Lehrerzimmer für die Schüler ansonsten eine Tabuzone ist, am Mittwoch hüllte die Klasse 10c einige Geheimnisse daraus, während die Klasse 7b in ihrem Stück Traumstunden aufzeigte, wovon die Lehrer in einer Lehrerkonferenz träumen könnten. Schnell wird da eine Lehrerin zu einer nahen Verwandten der Queen oder lebt eine andere ihre Hasenliebe aus. Bei einem Spontantheater der Klasse 8a musste Dornröschen sich seinen Traumprinzen suchen – mit dabei drei Lehrer. Auch die Lehrer wagten sich mit einer musikalisch-witzigen Liedeinlage auf die Bühne: Schon alleine das Aussehen mit mehr oder weniger ungewöhnlichen Hüten und Bauchbinden sorgte dabei für große Lacher im Publikum.



Die Q12 präsentierte zehn Arten von Lehrern: Aufgrund so mancher Eigenart in der Bewegung oder des Sprechens, aber auch wegen auffälliger Kleidung oder markanter Utensilien ist es meist sehr schnell klar, wer hier gedoubelt werden soll – zur Freude der Schüler, aber auch ein wenig zur Selbstironie der Lehrer.

Romeo und Julia 2.0 von der Klasse 9a handelte von einer verbotenen Liebesbeziehung zwischen den eigentlich zerstrittenen Sprachlehrern und naturwissenschaftlichen Lehrern. Die Klasse 8c kümmerte sich um Willibald´s next Topschüler, während die Mitglieder der Schauspielgruppe eine Selbsthilfegruppe von den Schulpflanzen imitierte: So stehen sie entweder recht viel im Dunkeln oder werden im Chemiesaal von Bunsenbrennern abgefackelt.


 

Mit dem Stück America first, WG second brachte die Q11 auch ein Stück auf die Bühne, das die aktuelle Tagespolitik kritisch beleuchtete: Donald Trump besucht das WG, weil er sich von den dortigen Betonmassen Anregungen erwartet für seinen eigenen Mauerbau. Auch wenn ihm dann aber zwei Lehrer nach dem Leben trachten, bleibt der Schluss offen, denn wie immer bei Parodien gilt: Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen.

Text und Fotos: Andreas Graf