Die Kinderkommission des Landtags war zu Gast am WG

 

Vom Pausenbrot bis zum Handy

 

„Der Lehrplan im G8 ist optimierungsfähig.“ Diese Formulierung gebrauchte Tanja Schorer-Dremel bei einer Diskussion mit Schülervertretern in Eichstätt. Schorer Dremel ist Vorsitzende der Kinderkommission im Bayerischen Landtag und besuchte in diesem Zusammenhang mit einer Kollegin aus dem Landtag ihren Wahlkreis und befragte dabei Jugendliche nach ihren Sorgen.

 

 

Claus Schredl, Schulleiter am Willibald-Gymnasium in Eichstätt und Gastgeber für diesen Politik-Talk, begrüßte dazu die beiden Mitglieder der Kinderkommission an seiner Schule und betonte die Wichtigkeit, über die Belange und Lebensbedingungen von Kindern in Bayern zu sprechen.

 

Wie Tanja Schorer-Dremel mitteilte, ist die Kinderkommission ein Gremium des Bayerischen Landtags, das paritätisch mit vier Personen der im Landtag vertretenen Parteien besetzt ist – und rühmte diese Kommission als einzigartig in Deutschland - „die anderen Bundesländer verfügen nicht über eine Kinderkommission“, sagte die Landtagsabgeordnete. Gemeinsam mit den weiteren drei Mitgliedern dieser Kommission habe man sich zum Ziel gesetzt, die Wahlkreise der vier Abgeordneten zu besuchen und die Kinder und Jugendlichen nach ihren Erfahrungen und Befindlichkeiten zu befragen: „Wir sind Scouts und Außenposten für Kinder von Null bis 25 Jahre“, gab Schorer-Dremel eine Kurzdefinition dieser Gremiumsarbeit. „Wir wollen dabei nicht über Kinder, sondern mit Kindern reden“, meinte sie. Begleitet wurde sie von Gabi Schmidt (Freie und Wähler) und Andreas Zinsmeister, der als Delegierter des Sozialministeriums mit dabei war.

 

Ort der Diskussion war die Bibliothek des Willibald-Gymnasiums, wo sich knapp 40 Schülervertreter und begleitende Lehrkräfte aller Schularten im Landkreis Eichstätt eingefunden hatten. So waren etwa Schülersprecher der Mittelschulen Kösching und Lenting, der Realschulen aus Kösching, Rebdorf und Eichstätt sowie Vertreter der Gymnasien aus Beilngries, Gaimersheim und Eichstätt erschienen.

 

 

Die angesprochenen Themen waren dann ein buntes Potpourri aus dem Leben der Jugendlichen, die aber doch sehr mit dem Schulbereich verbunden blieben. So lautete eine der ersten Fragen, ob die Regierung denn nicht gesundes Essen an Schulen fördern könne. Schorer-Dremel verwies in diesem Zusammenhang auf die Beratungsstellen in Bayern, die über die Ausgewogenheit bei der Ernährung informieren würden und auch die Möglichkeit hätten, Coaches an die Schulen zu schicken. Kontrovers diskutiert wurde dann die Nutzung von Handys und Smartphones – eine Diskussion allerdings auf Grundlage einer klaren juristischen Sachlage: Die Nutzung derartiger Medien ist derzeit an bayerischen Schulen verboten. „Diese Geräte sind alltagsnotwendig“, meinte Schmidt und plädierte damit für einen offenen Umgang. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir die Politik an die Realität anpassen können.“ Während der Diskussion zeigte sich zum einen, dass an vielen Schulen bereits Kompromisslösungen praktiziert würden, aber auch, dass viele Schüler bereits mittels Medienpädagogen oder auch Polizisten über die Gefahren von sozialen Netzwerken aufgeklärt wurden – zumindest in der Theorie. Bemängelt wurden in diesem Zusammenhang auch der je nach Schulen unterschiedliche Umgang mit Speichersticks - „nur schuleigene Medien sind erlaubt“ - oder der teils schlechte Breitbandausbau in manchen Regionen Bayerns.

 

Bei einem weiteren Diskussionspunkt forderten einige Schüler mehr Realitätsbezug („Zwiebelschälen“) an den Schulen und machten den Vorschlag, eine feste Stunde pro Woche einzuführen, in der nur über Themen des Alltags gesprochen werde. Hier zeigte sich, dass gerade das an Mittelschulen beheimatete Klassleiterprinzip gute Dinge leistet.

 

Ein letzter, vehement diskutierter Punkt betraf dann nur die Gymnasiasten. Die Verdichtung des Lehrplans im Rahmens einer Einführung des achtstufigen Gymnasiums habe zu sehr viel Nachmittagsunterricht geführt. Schorer-Dremel machte hier keinen Hehl daraus, dass sie das G8 nach wie vor „für die richtige Variante des Gymnasiums“ halte, gab aber auch zu, dass der Lehrplan „moderat angepasst“ werden und „für Entschleunigung“ gesorgt werden müsse.

 

Kinderkommissionspartnerin und Parteigegnerin Schmidt hingegen favorisierte, ganz parteikonform, das neunstufige Gymnasium. „Die Zeit zum Lernen und auch in einen Verein zu gehen, muss den Kindern vergönnt sein“, meinte die Freie-Wähler-Politikerin. Und sie ermutigte die Schüler: „Macht eine Petition im Landtag. Das darf jeder Bürger.“

Andreas Graf