Kurzweilige und intelligente Abendunterhaltung

Die diesjährige Faschingsrevue war mal wieder ein voller Erfolg

 

Wer schon immer einmal wissen wollte, warum man ausgerechnet mit einem oberpfälzischen Dialekt Zugang zu einer wertvollen Wasserquelle erhält, der war am vergangenen Mittwoch bei der Faschingsrevue des Willibald-Gymnasiums genau richtig. Bei dieser mittlerweile schon zur Tradition gewordenen Veranstaltung bringen die Schüler humorvolle, aber auch kritische Stücke auf die Bühne – aber immer unter dem sie schützenden Deckmantel der närrischen Faschingszeit.



Verkehrte Welt also am Willibald-Gymnasium: Während an allen Tagen des Jahres die Schüler sich brav zu benehmen haben, durften sie an diesem Mittwoch ihre Lehrer auch einmal in humorvoller Weise karikieren und den Schulalltag aus ihrer Sicht darstellen. Auch die Tatsache, dass sich Lehrer und sogar der Direktor an diesem Tag zu kleinen neckischen Spielchen auf die Bühne bitten ließen, macht den besonderen Charme dieser Schulveranstaltung aus, die in diesem Jahr von den beiden Schülersprechern Anna Muhr und Gregor Böhm in kurzweiliger Manier moderiert wurde.

Den Reigen der Darbietungen eröffnete die Klasse 5B, die Handpuppen zu einem Lied tanzen ließen. Die Klasse 5C hingegen ging der Frage nach, inwieweit Schüler heutzutage belastet seien – belastet freilich aus Sicht des Gewichts. Schnell stellte sich so bei einer „medizinischen Untersuchung“ heraus, dass so manche Schüler nicht nur eigene Tischlampen, sondern auch riesige Steine oder überdimensionierte Maskottchen in den Unterricht schleppen. Beim Spiel fünf gegen Schredl der Klasse 6D musste dann sogar der Schulleiter Claus Schredl auf die Bühne und sich gegen ein Schüler-Lehrerteam behaupten. Hier galt es dann etwa, rückwärts gespielte Lieder zu erkennen oder mit akrobatischen Verrenkungen einen Gegenstand vom Boden aufzuheben. Auch wenn er als Alleinkämpfer angetreten war, konnte Schredl die Bühne als Sieger verlassen – und durfte als Prämie eine weitere Badeente mit in sein Direktorenbüro nehmen. Beim Stück Klein gegen groß der Klasse 6A stellten Nachwuchsstars ihre Talente vor.



Eine beliebte Methode an der Faschingsrevue, zu der abermals so viele Zuschauer in die Aula kamen, dass die Sitzplätze nicht ausreichten, ist es auch immer, aus dem Fernsehen bekannte Sendungen auf die Schule zu übertragen. So kann es dann auch schon mal passieren, dass diverse Lehrkräfte der Bildungsanstalt im Rahmen einer Lehrer-Playback-Show der Klasse 6B in Gruppen mit ihrer Lieblingsband auftreten. Gewonnen hat letztendlich mit überzeugenden Gesangselementen– niemand.

Durchaus kritisch setzte sich gleich nach der Pause, in der die Mitglieder der Schülermitverantwortung die Besucher mit Getränken und kleinen Happen versorgte, die Klasse 6C mit dem Schulalltag auseinander. Gemeinsam mit ihrem Mathelehrer Marcus Reichenwallner präsentierten sie auf die Melodie von Frozen ein Lied mit Beschreibungen ihres Schullebens und deckten dabei auch gewisse Schwachstellen im Schulsystem auf. „Wir wollen einfach nur Schüler sein“, sangen die Sechstklässler dabei, und schickten auch einen Seitenhieb nach München: Sie wollen nämlich keine weiteren Reformen aus dem „Kultusmysterium“. Mit viel Applaus wurde dieser intelligent-anprangernde Beitrag belohnt.

Im Stück „Das Kochkäppchen und der böse Wolfgang“ der Klassen 10AC ging es darum, dass der wasserverliebte Lehrer Florian Koch sich auf die Suche nach einer Quelle macht. Als er nach einem längeren Marsch durch den Wald mit diversen Disputen mit dem spanischen Ausruf „Hola que tal“, den das Quellengespenst als oberpfälzische Variante einer chemischen Formel interpretiert – was auf der Bühne auch in intelligenter Weise Stück für Stück aufgeschrieben wurde -, Zugang zum Wasser bekommt, scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein. Ein unterhaltsames Stück mit witziger Parodie vieler Lehrergewohnheiten.



Die Q11 will mit ihrem Stück bemerkt haben, dass bei zwei Chemielehrern „die Chemie stimmt“. Davon ausgehend entspinnt sich eine amouröse Verfolgungsjagd durch das Lehrerkollegium. Interessant ist es auch immer, die dargestellten Lehrer zu erraten. Aufgrund so mancher Eigenart in der Bewegung oder des Sprechens, aber auch wegen auffälliger Kleidung oder markanter Utensilien ist es meist sehr schnell klar, wer hier gedoubelt werden soll – zur Freude der Schüler, aber auch ein wenig zur Selbstironie der Lehrer. Den Abschluss der Schülerdarbietungen machte die Q12 mit einem Zwergentanz.



Auch die Lehrer wagten sich mit einer musikalisch-witzigen Liedeinlage von „Ein Freund, ein guter Freund“ auf die Bühne: Schon alleine das Aussehen in Handwerkerkostümen mit Latzhosen und Mützen sorgte dabei für große Lacher im Publikum und beendeten eine kurzweilige Faschingsrevue, deren musikalische Umrahmung abermals in den Händen der Big Band unter der Leitung von Musiklehrer Thomas Klaschka lag.

 

 

Text: Andreas Graf

Fotos: Hans Kraus und Andreas Graf