PROJEKTTAG FLUCHT UND ASYL

Um authentische Eindrücke und Informationen zum Thema „Flucht und Asyl“ zu bekommen, besuchten die fünf Zwölftklässler des P-Seminars Sozialkunde im Juli den „Tag der offenen Tür“ in der Erstaufnahmeeinrichtung Maria Ward. Im September bemühten sie sich Flüchtlinge und einen Flüchtlingsbetreuer zu finden, die bereit waren, mit Schulklassen über ihre Erfahrungen zu sprechen, und im Oktober organisierten sie ein Vortreffen mit ihren Gästen.

Am 30. Oktober 2015 veranstalteten Aykut-Can, Gülden, Florian, Irman und Furkan einen Projekttag für etwa 40 Schüler (Klasse 9ac und P-Seminar), bei dem sie nach einer informativen, persönlich klar Stellung beziehenden Einführung vor allen Dingen ihre Gäste zu Wort kommen ließen, dabei moderierten und manchmal übersetzten:

Hany A., ein 27jähriger syrischer Bauingenieur, der erst seit einen Monat in Eichstätt ist, berichtete in fließendem Englisch von seiner gefährlichen Flucht über das Mittelmeer, bei der erst der Motor ausfiel und das Boot schließlich sank, sowie seinen Erfahrungen auf der sogenannten Balkanroute.

Das tschetschenische Ehepaar, das mit leiser Stimme auf Russisch von seinen Erfahrungen berichtete, war mit seinen drei kleinen Kindern geflohen, nachdem der Familienvater tagelang von den Sicherheitsbehörden misshandelt und gefoltert worden war. Da die Familie auf der Durchreise in Polen ihre Fingerabdrücke abgegeben hatte, sollte sie aus Deutschland abgeschoben werden und bekam daraufhin Kirchenasyl in Pfünz, in dem sie sich fast ein Jahr lang befanden. Nun sind sie in Deutschland „geduldet“, ihre Zukunft ist ungewiss und sie dürfen deshalb z.B. auch keinen Deutschkurs besuchen.

Deshalb fungierte Illya Tiraspolski, der an der Eichstätter Universität studiert und sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert, als Dolmetscher. Er appellierte auch an die Schüler, die sehr viel und interessiert nachfragten, kursierende Gerüchte über Flüchtlinge nicht einfach zu glauben, sondern immer kritisch zu hinterfragen.

Auch Mathias Schmitt, der als Sozialpädagoge für die Asylsuchenden in der Erstaufnahmeeinrichtung Maria Ward zuständig ist, bemühte sich Vorurteile auszuräumen. Er berichtete aus der Praxis der Asylberatung und kritisierte auch die Verantwortlichen in der Politik, die es in den vergangenen Jahren versäumt hätten, Deutschland auf die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen vorzubereiten – und jetzt nur noch reagieren können statt zu gestalten.

Am Ende konnten die Schüler noch ihre Eindrücke formulieren und es wurde ein Gruppenfoto gemacht – allerdings ohne das tschetschenische Ehepaar, das immer noch in Angst vor der tschetschenischen Miliz lebt.

Nadja Kohler