Weihnachtskonzert 2016

Besinnlichkeit und Vorfreude

Eichstätt (EK) Beim Spruch des Münchener Komikers Karl Valentin "Morgen gehe ich mich besuchen, hoffentlich bin ich zu Hause" scheint es sich bei oberflächlicher Betrachtung um eine seiner zahlreichen skurrilen Absurditäten zu handeln. Schulleiter Claus Schredl wies in seiner kurzen Begrüßung darauf hin, dass damit auch gemeint sein kann, wie wichtig und schwer es ist, zu sich selber zu finden.


Und in der Tat bescherte das einstündige Weihnachtskonzert des Willibald-Gymnasiums der Schulfamilie einen langen Moment des Innehaltens, den mancher Zuhörer vielleicht genutzt hat, um innerlich zur Ruhe zu kommen.

Eine Besonderheit hatte sich Thomas Klaschka zu Beginn einfallen lassen, als der Schulchor in Gruppen über den Kirchenraum verteilt - quasi im Stereoeffekt - den Kanon "Come on" intonierte. Beschauliche Stimmung erzeugte das Orchester unter der engagierten Leitung von Barbara Rank mit der Filmmelodie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel."

Johannes Glas aus der zwölften Klasse durfte anschließend das Orchester übernehmen, um das Ensemble sicher durch zwei Sätze aus den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi zu führen. Als eine wahre Bereicherung für das Schulleben hat sich am WG die Einführung von sogenannten Streicherklassen erwiesen, in denen die Schüler anstelle des Musikunterrichts ein Streichinstrument erlernen. Auf diese Weise werden die Kinder an das aktive Musizieren herangeführt, und gleichzeitig bilden sie den Nachwuchs für das Große Orchester. Es erfreut den Zuschauer immer wieder, wenn man sehen darf, mit welcher Hingabe die jungen Instrumentalisten der fünften Klasse - teilweise nur auf leeren Saiten spielend - bereits einfache Kompositionen für Streichorchester aufführen können. Die Streicherklasse der sechsten Jahrgangsstufe unter der Leitung von Christine Bleitzhofer trug mit verschiedenen Variationen über die Melodie von "Morgen kommt der Weihnachtsmann" zu einer beschaulichen Stimmung bei.

Nicht erst seit der jüngsten Interpretation durch die amerikanische A-cappella-Gruppe "Pentatonix" ist Leonard Cohens "Hallelujah" im Moment in aller Munde. So ist es auch dem Unterstufenchor gelungen, mit diesem Hit die Vorfreude auf Weihnachten zum Ausdruck zu bringen.

Zwischen den musikalischen Darbietungen wurden heuer Texte und Gedichte aus der Literatur rezitiert, die von Franz Friedsam zusammengestellt worden waren. Die Bläsergruppe der Schule umrahmte mit volkstümlichen und besinnlichen Chorälen die Veranstaltung, deren Erlös einer Bambusaktion auf den Philippinen zugutekommt. Um die durch Rodung verursachte Bodenerosion zu bekämpfen, pflanzt dort ein Pater Bambussetzlinge. Mittelfristig kann man so Überschwemmungen entgegenwirken; gleichzeitig wird mit der Bambusernte die Grundlage für die Gründung eigener Existenzen geschaffen.

Dass Weihnachtslieder auch in einem modernen Gewand daherkommen dürfen, stellte der Schulchor unter der Leitung von Thomas Klaschka mit einer Bearbeitung des ukrainischen Volkslieds "Carol Of The Bells" unter Beweis. Eine große Aufgabe hatten sich alle Musiker mit dem berühmten "Halleluja" von G. F. Händel vorgenommen. Barbara Rank führte Schulchor und Orchester temperamentvoll und sicher durch das grandiose Werk. Dass sich der Mut, dieses anspruchsvolle Werk anzupacken, gelohnt hat, bewiesen die strahlenden Gesichter, die am Ende allenthalben zu beobachten waren: Stolz und Erleichterung bei den Aufführenden und Ergriffenheit bei den Zuhörern, die begeistert Applaus spendeten.

Von Johann Kraus

 

Beim Weihnachtskonzert des Willibald-Gymnasiums gab es unter der Leitung von Barbara Rank mit Händels "Halleluja" einen feierlichen Abschluss. - Foto: Kraus