Die Beat-Box aus dem hohen Norden

 

Eigentlich ist es kaum zu glauben: Da stehen vier Sänger auf der Bühne, aber man hat den Eindruck, ein gesamtes Orchester oder auch wahlweise eine komplette Band zu hören. Was die Jungs der Gruppe Maybebop alleine mit ihrer Stimme bei ihrem Konzert am Freitag Abend in den weiten Saal des Alten Stadttheaters zauberten, war schier unglaublich.



Das Konzert, das vom Willibald-Gymnasium in Zusammenarbeit mit dem Lions-Club Eichstätt organisiert worden war und dessen Reinerlös für den Sozialfonds Nachbar in Not verwendet wird, war bis zum letzten Platz ausverkauft – umso erstaunlicher, weil die vier Musiker aus dem hohen Norden bereits zum fünften Mal innerhalb der vergangenen zehn Jahre in Eichstätt gastierten. Doch die stimmliche Qualität dieser A-Capella-Truppe hat sich wohl schon weit herumgesprochen, was man auch an ihren Tourdaten von Berlin bis Wien sieht, dass man auch zum wiederholten Male das Asthe füllen konnte. Daher lobte WG-Musiklehrer Thomas Klaschka die Sänger in seiner Begrüßung auch als „extraklasse“ - und in der Tat war es kaum zu glauben, dass sämtliche Sounds nicht mit technischen Hilfsmitteln, sondern nur mit der menschlichen Stimme als Instrument produziert wurden. Hätte man es nicht persönlich mit offenen Augen (und Ohren) erlebt, so hätte man wohl fast hinter der Bühne eine Beat-Box installiert sehen wollen.



Gleich der erste Song „Das darf man nicht“ war dann auch der Titel für das aktuelle Programm. Hier wurden den Zuhörern die kleinen Kavaliersdelikte des Alltags vorgehalten. Bei den Begriffen Abfalltrennung und Autobahngaffern wurde es wohl so manchem im Publikum etwas eng in der Brust.

Über die in unheimlicher Weise sich steigernde Allmacht des Digitalen informierte der Song „Mein Handy weiß es“. Schon nach ein paar Stücken kam dann auch bereits der traditionelle Song mit einem Freiwilligen aus dem Publikum. Hubert aus Neuburg präsentierte dabei, unterlegt freilich mit den Hintergrundstimmen von Maybebop, Elvis Presleys Falling in Love mit derartiger Inbrunst, dass er den bis dahin längsten Applaus des Abends einheimsen konnte.


Insgesamt zeigte das musikalische Quartett deutsche Eigenkompositionen mit frechen, witzigen Texten sowie neu arrangierte Versionen von Rock- und Pop-Klassikern. Auch inhaltlich lassen sich die Vier kaum in eine Schublade packen. Auch wenn es in dem einen Song politisch klingt, können beim nächsten Lied schon wieder Themen wie Fußball, Berge oder die Beschwerdehotline der Deutschen Bahn im Mittelpunkt stehen. Immer aber geht es darum, den Menschen ihr bisweilen eigenartiges und skurriles Verhalten vor Augen zu führen. Dass dabei der rote Faden hinsichtlich einer Aussage nicht immer so leicht zu erkennen war, sollte man aufgrund der hohen musikalisch-stimmlichen Qualität geflissentlich übersehen können.

 

 

Zum Höhepunkt eines jeden Konzertes von Maybebop – einer Wortneuschöpfung aus der Kombination der beiden englischen Begriffe maybe und der Jazz-Musikstilrichtung Bebop – gehören mit Sicherheit die Wunschlieder: Das Publikum nennt willkürliche Begriffe, mit denen die vier Musiker dann in Art einer Reizwortgeschichte einen Song kreieren, also: „Ein Lied, das es eigentlich noch gar nicht gibt.“ In Eichstätt kam auf diese Weise ein Song über über Schule, Triathlon und Trump zur Uraufführung.



Und interaktiv ging es dann weiter: Zur Auflockerung durften sich die Zuhörer bei einem Lied zum die eigene Achse drehen - so kamen nicht nur die Ohren auf ihre Kosten, sondern auch die Muskeln – beim Lachen und beim Drehen.


Dieses Benefizkonzert, bei dem auch der Pausen-Caterer einen Teil seiner Einnahmen spendete, hat nicht nur den Sozialfonds Nachbar in Not mit wichtigen finanziellen Mitteln, sondern auch die Zuhörer mit klanglich genialen Stücken bereichert. Mit ihrem Schlusslied verabschiedeten sich die vier zwar von der Bühne, aber noch lange nicht aus den Ohren der begeisterten Zuhörer.

 Text und Fotos: Andreas Graf