“Weltweit einmalige Institution“

 

 

 

Ein soziales Urgestein verlässt das Willibald-Gymnasium: Nach 38 Jahren als Lehrer für Katholische Religionslehre und Englisch geht Studiendirektor Willibald Scherer in den Ruhestand. In der vergangenen Woche wurde er daher sowohl als Verantwortlicher für den Sozialfonds als auch als Lehrer des WG würdevoll und mit höchstem Respekt verabschiedet.


 

Willibald Scherer (vorne, 2. von links), ein Mitbegründer des Sozialfonds Nachbar in Not, geht in Ruhestand. Als Verantwortliche folgen ihm Ulrike Laumeyer (vorne, 2. von rechts) und Simone Kriegl (vorne links) nach. Die beiden wurden im Rahmen einer Sitzung mit den weiteren Projektpartnern vorgestellt: Von der Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt Emmeran Hollweck (hinten rechts) und Karl-Heinz Schlamp (hinten links), von der Caritas Hans Wiesner (hinten, 2. von rechts) und Josef Wintergerst (hinten, 2. von links) und Schulleiter Claus Schredl. 

 

Vor knapp elf Jahren wurde er als ein Kooperationsprojekt von Schule, Caritas und Sparkasse initiiert: der Sozialfonds „Nachbar in Not“ – und Vertreter von eben jenen Institutionen haben sich am vergangenen Mittwoch am Willibald-Gymnasium getroffen, um einerseits die vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen und auch im wahrsten Sinne des Wortes Bilanz zu ziehen, andererseits um Willibald Scherer als Verantwortlichen zu verabschieden und ein neues Führungstandem zu installieren: Gekommen waren von der Caritas Hans Wiesner und Josef Wintergerst, von der Sparkasse Ingolstadt-Eichstätt Emmeran Hollweck und Karl-Heinz Schlamp und als Vertreter der Schule Oberstudiendirektor Claus Schredl.

In seinem Rückblick bezeichnete Schredl den Sozialfonds, der im Jahre 2006 von Willibald Scherer gemeinsam mit den mittlerweile verstorbenen Dieter Eichiner und Gerhard Miehling gegründet worden war, „als etwas ganz Besonderes im Landkreis Eichstätt“ und „als gelungenes Konstrukt von mehreren Partnern“. Scherer selbst freute sich darüber, dass der Sozialfonds mittlerweile in der ganzen Region etabliert ist. „Einen solchen Erfolg hätten wir uns vor elf Jahren nicht träumen lassen.“ Er zeigte sich auch sehr zufrieden damit, dass diese Sozialaktion von den Schülerinnen und Schülern voll und ganz unterstützt werde: „Ich brauche nicht zu betteln, wenn es darum geht, Spendenaufrufe zu verteilen.“

Hans Wiesner, der als Schuldenberater bei der Caritas tätig ist, lobte vor allem die unbürokratische und schnelle Hilfe der Mittelzuweisung, die der Sozialfonds erlaubt. „So können wir auch kurzfristig Bedürftigen helfen.“ Wiesner verwies auch darauf, dass in den vergangenen Jahren schon in allen Gegenden des Landkreises geholfen werden konnte und zeigte auch die reale Notsituation einiger Landkreisbürger auf: „Trotz hoher Beschäftigungsquote haben wir auch im Landkreis prekäre Anstellungsverhältnisse.“

Sparkassenvertreter Hollweck meinte, dass die Gesellschaft häufig nicht wahrhaben wolle, dass es derartige Fälle auch bei uns gebe. Von daher stehe die Sparkasse auch nach wie vor voll hinter dem Sozialfonds.

Im Rahmen der Versammlung wurden auch die neuen Verantwortlichen für den Sozialfonds vorgestellt. Ulrike Laumeyer und Simone Kriegl, beide Lehrerinnen am Willibald-Gymnasium, fungieren in Zukunft als erste Ansprechpartner des Sozialfonds.

Am vergangenen Freitag wurde Scherer dann auch als Lehrer des WG verabschiedet. Neben dem Personalrat und den Vertretern der Fachschaften Englisch und Katholische Religionslehre machte Schulleiter Claus Schredl noch einmal deutlich, welch prägende Persönlichkeit mit Scherer die Schule verlässt: So war Scherer nicht nur als Verbindungslehrer, sondern auch als Praktikumslehrer und Fachbetreuer tätig. Unvergesslich für Generationen seiner Schüler sind die Studienfahrten nach Rom, England und Berlin. Doch seine große Hingabe galt dem Sozialen. So hat er am Willibald-Gymnasium nicht nur die Weihnachtsaktion eingeführt und damit „auf der ganzen Welt“ für Hilfe gesorgt, sondern sich mit dem Sozialfonds auch für Nöte in der Region eingesetzt. „Sie haben damit eine Institution geschaffen, die weltweit einmalig ist“, sagte Schredl. Regelmäßige Besuche mit Schülern der fünften Klasse im Krankenhaus unterstreichen diese selbstlose Hingabe. Dabei ging es nie um eine aktionistische Abarbeitung von Sozialaktionen, sondern ständig um die Umsetzung des Glaubens in konkrete Hilfe, die Scherer mit Herzblut und großer Authentizität vorangetrieben hat. Dass mit Scherer eine soziale und wichtige Säule das WG verlässt, hat Schulleiter Schredl in aller Kürze folgendermaßen zusammengefasst: „Sie haben Generationen von Lehrern und Schülern geprägt. Sie werden der Schule und auch mir persönlich fehlen.

 

Text und Foto: Andreas Graf