Eine unvergessliche Studienreise des Wahlkurses Spanisch I

Santiago de Compostela 2006

Die Studienreise begann am Freitag, den 21. Juli 2006, als sich eine muntere Gruppe von elf Schülern der 10. und 11. Jahrgangsstufe unter der Leitung von Frau Schauer und Frau Hoyer auf den Weg zum Flughafen München machte. Von dort aus führte uns unsere Reise mit Zwischenlandung in Palma de Mallorca nach Santiago de Compostela, der Hauptstadt Galiciens im Nordwesten Spaniens, welche etwa 95.000 Einwohner beheimatet.

Der erste Tag der Reise war somit nahezu vollständig durch die Anreise ausgefüllt. Nach dem Bezug unserer Zimmer in der „Hospedaje Rodríguez“ blieb lediglich Zeit für einen kurzen Stadtrundgang zur ersten Orientierung und ein gemeinsames Abendessen in einem landestypischen Restaurant. Nach dem Abendessen begegneten wir dann zum ersten Mal dem spanischen Temperament, da dieser Abend der Auftakt zu den Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen Jakobs war.

Der nächste Tag begann mit einem absoluten Klassiker - dem Jakobsweg. Zunächst fuhren wir mit dem Bus ca. 30 Kilometer aus der Stadt hinaus ins Umland, um dann die letzten Kilometer des prestigeträchtigen Pilgerweges bis zu seinem Ziel, der Kathedrale von Santiago, zu Fuß zurückzulegen. Auf diesem Wege machten wir sowohl mit der Flora als auch mit der schönen Landschaft Galiciens, welche durch große Wälder und fruchtbares Ackerland geprägt ist, Bekanntschaft. In der Stadt angekommen hatten wir etwas Zeit, um uns zu stärken und Kraft zu schöpfen für den zweiten Programmpunkt des Tages - einer Stadtführung durch Santiago. So lernten wir einerseits die Besonderheiten der Architektur der Kathedrale und andererseits die Mentalität der Galicier besser kennen. Des Weiteren wurden die Grundzüge des Stadtbildes erläutert und wir informierten uns über die Einkaufsgelegenheiten und Restaurants der Stadt. Dabei erwiesen sich sowohl Frau Schauer als auch unser Führer Manuel als sehr freundlich, da sie uns unter anderem über die persönlichen „Geheimtipps“ aufklärten.

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Am folgenden Tag begaben wir uns nach Noia, einer kleineren Stadt in der Umgebung von Santiago, wo wir die historische Altstadt und einen alten Friedhof (Cementerio de Santa María) besichtigten. Anschließend fuhren wir mit dem Bus weiter zum „Castro de Baroña“, einer alten keltischen Siedlungsanlage direkt am Meer. Dort konnten wir die keltische Bauweise in Form von runden Häusern, die unsymmetrisch auf einem Felsvorsprung an der Küste des Atlantiks angelegt sind, erkunden. Daraufhin fuhren wir über Santa Uxía de Ribeira, wo wir unser Mittagessen einnahmen, weiter zum Aussichtspunkt A Curotiña, von wo aus wir einmal mehr den wunderschönen Blick über die „Ría de Arousa“ und den Atlantischen Ozean genießen konnten. Im Anschluss daran war Erholung angesagt und so ging es an den Strand von Corrubedo, der in einem Naturpark liegt. Neben dem Baden im Atlantik und einigen Volleyballspielen konnten wir auch eine Sanddüne bestaunen, welche von den Galiciern häufig als „größte Wanderdüne Europas“ proklamiert wird. Auf dem Rückweg nach Santiago de Compostela fuhren wir durch Padrón, der Stadt, in der sich das Haus der galicischen Schriftstellerin Rosalía de Castro befindet. Das Abendprogramm war wiederum gespickt mit Eindrücken von der galicischen Kultur. Im Rahmen der Veranstaltungen zum Jakobsfest konnte man nämlich verschiedenen Konzerten und Tänzen rund um die Kathedrale beiwohnen.

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Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des früheren Images Galiciens - vor der Entdeckung Amerikas galt die Nordwestküste Spaniens nämlich als Ende der Welt. Somit führte uns der Ausflug an die „Costa de la muerte“ (Todesküste) und nach Finsterre. Zunächst fuhren wir jedoch über Noia nach Muros - jene Stadt, von der man häufig behauptet, dass sie die schönsten Frauen Spaniens beherberge. Dort besichtigten wir unter anderen Sehenswürdigkeiten ein mittelalterliches Tor und die „Iglesia de San Pedro“, eine altertümliche Kirche mit einem der berühmten Rosettenfenster, die besonders durch die Zisterzienser bekannt wurden. Im Anschluss daran besuchten wir den größten „hórreo“ Galiciens in Carnota - einem speziellen Kornspeicher von 37 Metern Länge, den man in kleinerer Ausführung auch in nahezu jedem Garten galicischer Landhäuser finden kann. Daraufhin fuhren wir mit dem Bus weiter nach Finsterre, wo wir den Hafen und den Faro, den Leuchtturm der Stadt, welcher sich auf einem Berg befindet, erkundeten. Danach kehrten wir nach Santiago zurück, wo als letzter Programmpunkt des Tages ein absolutes Highlight auf uns wartete - „El fuego del apóstol“, das obligatorische Feuerwerk zum Abschluss des Jakobsfestes.

Der folgende Tag, Dienstag, zeigte uns die andere Seite Galiciens auf. Mit dem Zug fuhren wir nach A Coruña und lernten dort die Eigenheiten einer spanischen Industriestadt kennen, die, im Gegensatz zu den anderen Städten der Region, nicht durch Sauberkeit und schöne Architektur brillieren konnte. Dementsprechend ist A Coruña von Zweckbauten, verschmutzten Stadtvierteln und der Hektik der Menschen geprägt. Zunächst besuchten wir dort das Museum „Casa del Hombre“, das Haus des Menschen, das verschiedene z.T. interaktive Ausstellungen rund um den menschlichen Körper zu bieten hat. Beispielsweise hatte man die Möglichkeit, das eigene Essverhalten zu testen, den Aufbau eines Herzens zu erkunden oder Gleichgewichtsübungen in einer schräg gebauten Küche durchzuführen. Des Weiteren konnten die fußballbegeisterten Teilnehmer ihre Schussgeschwindigkeiten in einem speziell dafür gebauten Käfig ermitteln. Anschließend stand das Aquarium Finisterrae auf dem Programm, in dem man das Ökosystem des Atlantiks und der galicischen Küste entdecken konnte. Dabei spielten sowohl die tierischen Bewohner des Ozeans wie Robben, Kraken oder Rochen als auch ihr Lebensraum eine bedeutende Rolle. In einem kleinen „Streichelaquarium“ hatte man sogar die Möglichkeit, lebendige Jakobsmuscheln zu berühren. Zum Abschluss des Ausfluges machten wir einen kleinen Spaziergang entlang der Strandpromenade und fuhren mit dem Zug zurück nach Santiago de Compostela, wo wir den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen ließen.

Als es am nächsten Morgen galt, früh aufzustehen, ahnte kaum einer, dass die wunderschöne Landschaft all diese Mühen entschädigen würde. So fuhren wir zunächst mit dem Zug nach Vigo und von dort aus nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt mit der Fähre weiter auf die „Islas Cíes“. Diese Inselgruppe gliedert sich in eine reine Vogelschutzinsel und zwei weitere Inseln, die einen Hafen und einen Campingplatz besitzen. Im Hafen erwartete uns eine Fremdenführerin, die uns während einer kurzen Wanderung einige Aspekte zur Flora und Fauna der Inseln näher erläuterte. Dabei bekamen wir auch eine Gruppe von Menschen zu Gesicht, die einen sehr seltenen Beruf ausüben. Ihre Beschäftigung als Fischer von Entenmuscheln ist nämlich sehr gefährlich, da sie sich auf glatten Felsvorsprüngen bis in die Brandung nach vorne wagen müssen, um an die begehrte und unter Feinschmeckern bekannte Delikatesse zu gelangen. Einige von uns nahmen anschließend noch den langen Aufstieg bis zum Leuchtturm der Insel auf sich und kamen dort in den Genuss eines grandiosen Blickes über die gesamte Inselgruppe. Der Nachmittag diente der Erholung und so verbrachten wir diesen an einem ruhigen Strand, amüsierten uns beim Volleyballspielen und beim Baden im kristallklaren Wasser. Die Rückfahrt hingegen kam für alle zu früh und so mussten wir bald wieder aufbrechen, um den Katamaran zu erreichen, der uns wieder aufs Festland brachte, und mit dem Zug nach Santiago zurückzufahren.

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Am folgenden Tag war der letzte Programmpunkt des Aufenthalts zu absolvieren - eine Führung durch Pontevedra, einer Stadt, die im Mittelalter beträchtliches Ansehen genoss und durch florierenden Handel enormen Wohlstand erlangt hatte. Während dieser Führung erfuhren wir, welche keltischen Einflüsse, wie z.B. das Dudelsackspiel, noch heute in der galicischen Kultur sichtbar sind und dass der Bau von Arkaden rund um die zahlreichen Markt- und Handelsplätze der Stadt durch den häufigen Niederschlag bedingt ist. Nach der Rückfahrt mit dem Zug nach Santiago stand der Nachmittag zur freien Verfügung. Diese Möglichkeit wurde auf verschiedene Weise genutzt - die einen tätigten die letzten Einkäufe und die anderen suchten noch einmal die Kathedrale auf, um das überdimensionale Weihrauchfass zu sehen, das bisher verborgen geblieben war. Um die Reise gemeinsam ausklingen zu lassen, trafen wir uns zum Abendessen in einem Restaurant und ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren.

Der Freitag, 28. Juli 2006, rief als Tag der Rückreise schon bei einigen Teilnehmern Wehmut hervor, aber letztendlich stiegen alle glücklich und zugleich etwas erschöpft durch das anstrengende Programm ins Flugzeug, das uns wiederum nach einer Zwischenlandung in Palma de Mallorca nach München brachte. Von dort aus fuhren wir mit dem Bus zurück nach Eichstätt, wo uns die wartenden Eltern in Empfang nahmen. Auch wenn der Abschied von Santiago de Compostela schwer fiel, hatten viele nur noch die zum Wahlspruch gewordene Wendung aus dem Spanischbuch auf den Lippen: „¡España es fenomenal!“ (Spanien ist großartig!)

                                                          Patrick Büchele, 11c

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