Projekt-Seminar Rechtsextremismus

Seit Februar 2010 beschäftigten sich acht Schüler mit dem Thema "Rechtsextremismus: Ursachen - Organisationen - Methoden - Gegenstrategien", arbeiteten sich intensiv in diese vielschichtige Thematik ein, recherchierten und erstellten Präsentationen. Dabei wurde ihnen bewusst, dass rechtsradikale, speziell ausländerfeindliche Einstellungen kein "Randphänomen" mehr sind, sondern mittlerweile erschreckenderweise in der "Mitte" unserer Gesellschaft angekommen und couragierte Gegenmaßnahmen dringend notwendig sind.

Außerdem durfte das P-Seminar im Juni an einer ganztägigen Fachtagung zum Thema "Strategien zum Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus in der Jugendarbeit" in Nürnberg teilnehmen, zu der sonst nur Professoren, Sozialpädagogen und Lehrer eingeladen waren.

So waren die Schüler inhaltlich sehr gut gerüstet für die aktive Umsetzung ihrer Projektziele im November 2010:

Am 11. November berichtete der Neonazi-"Aussteiger" Manuel Bauer vor etwa 300 Schülern der 10. bis 13. Jahrgangsstufe darüber, wie er in die Neonazi-Szene geriet und dort schlimmste Gewalttaten beging, bis er nach zwölf Jahren mit Unterstützung der Organisation "Exit" den "Ausstieg" aus der Szene schaffte. Durch seine große Authentizität hinterließ der Referent bei den Schülern einen tiefen Eindruck und sensibilisierte sie für die Bedeutung der Thematik.

Dieser Vortrag bildete gleichzeitig die Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern", die von der Friedrich-Ebert-Stiftung bereitgestellt wurde. In den folgenden beiden Wochen führten die Mitglieder der P-Seminars etwa 20 Klassen und Kurse des Willibald-Gymnasiums sowie der Mittelschule und des Förderzentrums durch die Ausstellung und hatten so die Chance, viele andere Jugendliche zu informieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Für den 18. November war das Regensburger uetheater mit dem Theaterstück "Elly und Ingo" engagiert worden, das parallel die Geschichte der historisch verbürgten Elly Maldaque, die während  der Weimarer Republik in Regensburg lebte, und des Neonazis Ingo erzählt. Beide werden in ein gewalttätiges Milieu hineingeboren, aber während Elly sich daraus löst und sich für die Liebe und das Gute im Menschen entscheidet, wird Ingo hasserfüllt und gewalttätig. In insgesamt drei Aufführungen hatten alle Schüler der 9. und 10. Klassen der Mittelschule sowie der 9.-12. Jahrgangsstufe des Willibald-Gymnasiums die Gelegenheit, dieses eindrucksvolle Theaterstück gegen Rechtsextremismus zu sehen und danach mit den Schauspielern und dem Regisseur zu diskutieren.

Zum Abschluss des Projekts veranstaltete das P-Seminar unter dem Motto "BUNT STATT BRAUN" das erste Rockkonzert, das je am Willibald-Gymnasium stattfand. Der Auftritt der Bands "The Crippled Crows" und "Tir Nan Og" begeisterte die etwa 230 meist jugendlichen Besucher, die fast den ganzen Abend durch tanzten. In der Pause konnten sich die Besucher am Info-Tisch über das Thema Rechtsradikalismus informieren.

Beide Bands formulierten klare Aufrufe "gegen Rechts" und spielten ohne Gage, so dass ein Erlös von 650 Euro zustande kam, der an die Organisation "Exit" gespendet wurde, die Rechtsradikale beim "Ausstieg" aus ihrer Szene unterstützt.

Unser herzlicher Dank geht an die drei externen Partner bei diesem P-Seminar, die uns engagiert unterstützt haben, nämlich den Kreisjugendring (Klaus Bittlmayer), das Jugendzentrum (Bernd Zengerle) und die Friedrich-Ebert-Stiftung!

Nadja Kohler