P-Seminar Spiele für Alte

 
 

Schüler des Willibald-Gymnasiums überreichen Spiele
an Vertreter von Altenheimen, die sie selbst entwickelt hatten.

 

Alltagsgtauglich und abwechslungsreich

Schüler des WG entwickeln Spielemappe für Altenheime

(jok) Einige der wenigen positiven Aspekte, die das achtjährigen Gymnasium mit sich gebracht hat, war die Einführung eines sogenannten Praxis-Seminars, das jeder Schüler in der Oberstufe durchlaufen muss. Dazu bieten die einzelnen Fächer Projekte an, deren Realisierung die Schüler alleine planen und offiziell abschließen müssen, indem das konkrete Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Das Fach Katholische Religion am Willibald-Gymnasium hatte in diesem Zusammenhang die Aufgabe gestellt, Spiele zur erarbeiten, die in der Altenbetreuung eingesetzt werden können. Dieses Material wurde kürzlich in einer kleinen Feier an Vertreter der Eichstätter Altenheime übergeben.

Die angehenden Abiturienten Lea Markiewicz und Marius Bittl, in deren Händen die Koordination des Projekts lag, skizzierten anfangs nochmals die verschiedenen Entwicklungsstufen, die das Seminar seit Februar durchlaufen hat. In einem ersten Schritt erarbeitete eine „Phantasiegruppe“ Ideen für die Spiele, die dann detailliert durchdacht und strukturiert wurden. Im nächsten Arbeitsschritt ging es darum, eine Art Gebrauchsanweisung für das Spiel zu formulieren, bevor schließlich alle theoretischen Vorüberlegungen auf Material aufgebracht wurden. Ziel war es, bei Aufbau und Erklärung der einzelnen Spiele eine ähnliche Struktur zugrunde zu legen, um dem Personal, das mit diesem Material dann arbeiten soll, einen schnellen Zugang zu ermöglichen.

Innerhalb des Materials wurde noch zwischen Denk- und Merkspielen und Aktivitäten, die die Motorik beanspruchen, unterschieden.

So fertigten die Schüler zum Beispiel – ähnlich wie bei einem Memory – Fotos an, anhand derer dann das Gegensatzpaar „alt und neu“ herausgefunden werden muss. Dazu ist manchmal auch ein bisschen Phantasie notwendig, wenn man zum Beispiel erkennen soll, dass das Foto einer Höhle (diese diente Steinzeitmenschen schließlich einst als Behausung) mit der Aufnahme eines Hochhaueses ein Bildpaar bietet.

Auf die Gedächtnisleistung zielt zum Beispiel die Fotoserie „Blumenwiese“; hier sind 30 Pflanzen oder auch Lebewesen zu benennen, deren Lebensraum die Wiese darstellt. Amüsiert erzählten die Schüler von einem ersten Probelauf mit diesem Spiel in einem Altenheim im Frühjahr. Da die Lösung für die betreuende Person in großen Buchstaben auf der Rückseite des Fotos angebracht war, versuchten damals die Heimbewohner, diese abzulesen – Spicken im hohen Alter eben.

Nachdem die Vertreter der Eichstätter Altenheime ein paar Senioren mitgebracht hatten, ließen es sich diese nicht nehmen, das Material sofort auszuprobieren. Besonderen Anklang fand dabei eine „Fühlbox“ in Form eines Holzkastens, in den man von oben verschiedene Gegenstände hineinlegen konnte, die dann nur mit der Hand – ohne hinzuschauen – zu ertasten waren.

Bei dieser Gelegenheit bedankten sich die Kurssprecher auch bei den zahlreichen Sponsoren, die für die Kosten des Projekt aufkamen.

Die anwesenden Betreuer zeigten sich sehr vom Seminar und dessen Ergebnis angetan. Einrichtungsleiter Marco Fürsich und Ursula Wenzl von St. Elisabeth beeindruckte die „durchdachten Mischung“, die die Bedürfnisse von Senioren anspricht. Eva-Maria Fröstl von der Station 7 der Klinik Eichstätt attestierte dem Material „Alltagstauglichkeit.“ Damit könne man auf unkomplizierte Weise Abwechslung in den Alltag der Senioren bringen. Hoch erfreut nahm weiterhin Ludwig Schöner vom Heilig-Geist-Spital die drei Ordner entgegen.

Richard Nikol von der Klinik Eichstätt imponierte besonders, dass sich junge Menschen um die Lebenswelt ältere Leute Gedanken machen und sich „die Generationen auf Augenhöhe begegnen.“ Damit durfte sich Willy Scherer, der die Idee für das P-Seminar hatte, bestätigt fühlen: „Das Verständnis zwischen jungen und alten Leuten funktioniert spontan immer problemlos – so wie zwischen Großeltern und ihren Enkeln eben. Ziel der Werteerziehung am Willibald-Gymnasium ist es, Jugendliche durch verschiedenste Aktionen dahin zu bringen, Verständnis und Verantwortungsbereitschaft für die Generationen vor ihnen zu entwickeln.“

 

Besonderen Anklang fand eine „Fühlbox“, die dazu dient,
die Feinmotorik von älteren Menschen zu sensibilisieren.

Fotos (jok)