Ein Raum für die Seele

 

 „Dieser Raum spricht auch die Gefühlsebene an, die im Schulalltag oft zu kurz kommt.“ Mit diesen Worte brachte eine Schülerin ihre Freude zum Ausdruck, dass es am Willibald-Gymnasium nun einen Raum der Stille gibt. Der Raum, der sich im Übergangstrakt zur Mittelschule Eichstätt befindet und daher auch von deren Schülern mitbenutzt werden kann, wurde mit Schülern, Eltern und Vertretern des Landratsamtes feierlich eingeweiht.


Dazu waren zahlreiche Gäste erschienen: Neben den beiden Schulleitern, Claus Schredl für das Willibald-Gymnasium und Erich Kraus für die Mittelschule, kam auch Ralf Fährmann, der von Seiten des Landratsamtes für die Realisierung zuständig war sowie Lehrerkollegen und die Eltern der am Projekt beteiligten Schüler. Der Raum ist nämlich das Ergebnis eines P-Seminars im Fach Katholische Religionslehre unter der Leitung von Willibald Scherer. „Mit der Einweihung dieses Raumes schließt sich für uns ein Kreis, der vor zehn Monaten eröffnet wurde“, sagte Scherer bei der Einweihung. Auch wenn die Vorstellungen in Bezug auf einen derartigen Raum von Anfang an recht unterschiedlich gewesen seien, hätten die Schüler einen unglaublichen Gestaltungswillen an den Tag gelegt.

 

Und in der Tat ist in den vergangenen Monaten ein Raum entstanden, der die Sinne von Schülern im besonderer Weise auf einer nicht kognitiven Weise ansprechen kann: Schon beim Betreten fällt das überdimensionale Foto einer untergehenden Sonne im Wald auf. Das Foto, das der ehemalige Schüler Lukas Pickard gemacht hatte, dominiert mit seiner Wärme den ganzen Raum, der zudem mit gelber Farbe gestrichen ist. „Uns war von Anfang an wichtig, dass sich dieser Raum von der Atmosphäre eines Klassenzimmers abheben muss“, sagte Anna Vranjic, eine der am Projekt beteiligten Schüler. Zudem finden sich Holzelemente im Raum, eine unansehnliche und störende Steinsäule wurde kurzerhand mit Holz umkleidet und verstärkt damit die „Waldatmosphäre“. Banale Dinge wie Heizkörper wurden in das Gesamtkonzept des Raumes integriert. Auch die vielfältigen Lichtmöglichkeiten unterstreichen, dass der Raum für die verschiedensten Aktivitäten gebraucht werden kann. Kissen und Decken runden das Wohlfühlangebot ab. „Manchmal gibt es im Schulalltag Situationen, in denen man Ruhe braucht“, sagte Moritz Medl. Für derartige Fälle sei das Schulgebäude bisher nur unzureichend ausgestattet gewesen. „Der Raum der Stille war damit eine willkommene Idee“, sagte Medl. Und in der Tat mussten bei Todesfällen in der Vergangenheit immer kurzfristige Provisorien herhalten. „Man kann in diesem Raum nun auch Meditationen anbieten, es soll einfach eine Atmosphäre der Geborgenheit geschaffen werden“, sagte eine andere Schülerin.

 

Björn Simnacher, evangelischer Pfarrer und zugleich Religionslehrer am Willibald-Gymnasium, segnete den Raum „und alle die ihn besuchen“. Und auch ein Mitschüler, die diesen Raum erstmals sah, waren sehr angetan: „Voll schön. Hoffentlich dürfen wir da mit unserem Lehrer bald einmal eine Stunde verbringen.“

 

 

Text und Fotos: Andreas Graf

 

 

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