Katholische Religionslehre / Evangelische Religionslehre / Ethik

Was soll ich sprechen von der Finsternis und des Lichts stets wiederkehrendem Wechsel, der uns bald Arbeit und bald Ruhe zuteil werden lässt. Ausführlicher über die Gestirne zu reden, wie sie den Lauf der Schiffe lenken und die Zeit für Saat und Ernte anzeigen, das bleibe den Astronomen überlassen. All diese Dinge aber setzen nicht nur für ihre Erschaffung, Bildung und Anordnung einen höchsten Baumeister und eine vollkommene Vernunft voraus; sie könnten auch, gäbe es keine höchste Kunst und Vernunft, nicht einmal gefühlt, erkannt und begriffen werden.
(Octavius 17,6; Übersetzung Bernhard Kytzler) 

Katholische Religionslehre, evangelische Religionslehre und Ethik sind am Willibald-Gymnasium zu einer Fachschaft verbunden. Sie arbeiten in Theorie und Praxis partnerschaftlich zusammen, um in der Werteerziehung, einem wichtigen Aufgabenfeld der Schule, auch gemeinsame Ziele festzulegen und zu verwirklichen.

Religions- und Ethikunterricht, gerade in der Werteerziehung, müssen zwar im Klassenzimmer stattfinden, dürfen aber nicht dort stehen bleiben und aufhören. Junge Leute sind auf der Suche und stellen Fragen – sie erwarten Antworten, und zwar nicht auf der spaß- oder konfliktorientierten Ebene der Nachmittagsmedien und am PC, aber auch nicht bloß auf der Basis von Buchwissen, das scheinbar eingängige, manchmal aber zu glatte Antworten auf alle Problemfelder anbietet. Sie wollen in ihren Fragen ernst genommen werden und mögliche Sinnangebote auf ihre Anliegen aus verschiedenen Blickwinkeln erhalten.

Die Lehrkräfte für den katholischen und evangelischen Religionsunterricht versuchen deshalb, das Angebot des christlichen Glaubens im Vergleich zu anderen Weltanschauungen als Orientierungshilfen aufzuzeigen. Auch wenn ein Schüler die Sinnantwort, die sich aus dem christlichen Glauben ergibt, nicht oder nicht vollständig annehmen kann, so ist dieser Markpunkt doch eine Hilfe, um sich selbst als Mensch mit Überzeugung und Rückgrat zu finden. Das Schlimmste, was einem Menschen – einem jungen Menschen erst recht – passieren kann, ist, mit seinen Fragen allein gelassen zu werden.

Gerade der junge Mensch aber richtet, zu Recht, einen kritischen Blick darauf, ob der Religionslehrer und sein Unterricht Glaubwürdigkeit ausstrahlen: Steht der Religionslehrer selbst hinter dem, was den Unterricht prägt, spürt man seinen Glauben in irgendeiner Weise? Hat die Botschaft, die er vertritt, in der einen oder anderen Form Strahlkraft auf das alltägliche Leben? Und der Schüler bezieht sich dabei selber durchaus mit ein.

Ethikunterricht wird am Willibald-Gymnasium in allen Jahrgangsstufen, aber insgesamt nur für wenige Schüler erteilt. Dies trifft insbesondere auf die Unter- und Mittelstufe zu. Dort besuchen den Ethikunterricht fast ausschließlich Schüler, die konfessionslos sind, und solche, die anderen Weltreligionen – zumeist dem Islam – oder anderen religiösen Gemeinschaften angehören. Etwas größere Lerngruppen kommen in den höheren Jahrgangsstufen zustande, wenn Schüler, die aus Glaubens- oder Gewissensgründen – den allein zulässigen Gründen – nicht am Religionsunterricht teilnehmen können, zum Fach Ethik wechseln, welches für sie dann zum Pflichtfach wird. Die Abmeldung muss spätestens am letzten Unterrichtstag des Schuljahres mit Wirkung für das folgende Jahr abgegeben werden.

Auch wenn die Gruppe der evangelischen Schüler in den letzten Jahren gewachsen ist, erfordert die Diasporasituation viel Engagement von Schülern, Eltern und Lehrkräften. Der evangelische Religionsunterricht fühlt sich in der Fächergruppe Katholische Religion, Evangelische Religion und Ethik sehr getragen und möchte das Leben der Schüler und der ganzen Schule bereichern.

Die hohen Ideale, die sich aus dem Christentum und aus ethischen Grundsätzen ergeben, dürfen gar nicht bei einem Tafelbild stehen bleiben, das gelernt, abgeprüft und dann wieder beiseite geschoben wird, sondern sie drängen geradezu nach Verwirklichung. Das Christentum ist eine Religion des Lebens und des Aufbruchs, damit auch der Lebenspraxis und nicht zuerst von abgehobener Theologie.

Aus dieser Gewissheit heraus hat sich am WG – und zwar in der gesamten Schulfamilie – in den vergangenen 20 Jahren ein Gespür für soziale Verantwortung entfaltet, das sich in der alljährlichen Weihnachtsaktion niederschlägt und das eine stark gemeinschaftsbildende Kraft trägt. Auf Vorschlag von Schülern, Eltern oder Lehrern wird jedes Jahr ein anderes Projekt ausgewählt und beim traditionellen Informationstag von Vertretern von Vertretern der jeweiligen Initiative allen Schülern und Lehrern vorgestellt. Sodann beginnt mit dem mittlerweile traditionellen Benefizkonzert zu Beginn  der Aktion die gemeinschaftliche Anstrengung von Schülern, SMV, Eltern, Lehrern, Kunst- und Musikerziehern, um ein größtmögliches Maß an Hilfe zu erarbeiten – es geht immer um konkrete Menschen, nie um den Betrag! Aber es ist ein gutes Gefühl, beim Weihnachtsgottesdienst zum Beispiel zu erfahren, nach einem Erdbeben in Pakistan mehr als 1.000 Menschen vor dem Erfrierungstod bewahrt und ihnen eine Zukunftsperspektive vermittelt zu haben.

Der alljährlich von den Kunsterziehern neu auf das jeweilige Projekt zugeschnittene Anstecker ist für fast alle Schüler zum äußeren Zeichen dieses gemeinschaftlichen Einsatzes geworden:

 

 

                                                ALLE BISHERIGEN ANSTECKER IM BILD

 

 

Mit der Weihnachtsaktion 2006 hat das Willibald-Gymnasium zudem einen neuen Weg beschritten: mit dem erwirtschafteten Betrag von mehr als 30.000,- Euro wurde in Kooperation mit der Caritas-Kreisstelle Eichstätt und der Diözese Eichstätt der Sozialfonds „Nachbar in Not“ gegründet, der bedürftige Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Stadt und im Landkreis Eichstätt in finanziellen Notlagen unterstützt. Die Schulgemeinschaft unserer Schule sieht sich damit dauerhaft in der Verantwortung und stellt mit großer Hilfe auch von außerhalb der Schule nicht nur alljährlich die notwendigen Hilfsbeträge zur Verfügung (im Jahr 2009 insgesamt mehr als 10.000,- Euro), sondern baut parallel dazu auch einen Basisbetrag auf, aus dem heraus auch in der Zukunft diese Hilfe sichergestellt werden kann. Weitere Informationen dazu können unter www.nachbar-in-not-eichstaett.de abgerufen werden (vgl. auch Button auf der Startseite).

Wie sehr sich auch die Schüler selbst von der Vision mitmenschlicher Verantwortung haben anstecken lassen, zeigt die Tatsache, dass auf ihre Initiative hin Schüler und Lehrer seit mehreren Jahren 12 Patenschaften mit Kindern aus der sog. „Dritten Welt“ pflegen.