Dr. Kluth vom Max-Plank-Institut in München spricht über Forschung in Cern

Physik kann auch im Alltag helfen

 

 

 

 

Manchmal ist der Zufall ein guter Bruder der Aktualität: So geschehen am Willibald-Gymnasium, wo nur wenige Tage nach dem Nachweis der von Einstein vorhergesagten Gravitationswellen ein Physiker bei einem schon längst ausgemachten Vortrag unter anderem über diesen weltweit bedeutenden Beweis referierte.

 


 

Als Physiklehrerin Maren Bauer schon vor Wochen mit Stefan Kluth, einem Physiker am Max-Planck-Institut (MPP) in München, diesen schulischen Vortrag organisierte, konnten die beiden nicht ahnen, dass ihr Aufgabengebiet mit dem Nachweis der Gravitationswellen zu neuer Aktualität gelangte. Umso mehr freuten sich die Schüler über den Referenten, der im Wesentlichen in seinem Vortrag über die Forschung mit dem ATLAS – Experiment sprach. ATLAS ist eines der Großexperimente des Teilchenbeschleunigers am europäischen Kernforschungszentrum CERN bei Genf in der Schweiz, und Kluth erklärte dabei in nachvollziehbaren Worten – an dem Vortrag nahmen Schüler der Klassen zehn bis zwölf teil – die Funktionsweise dieser im Jahre 2009 in Betrieb genommenen Apparatur. „Protonen werden in zwei gegenläufigen Röhren beschleunigt und dann zur Kollision gebracht, wodurch neue Teilchen erzeugt werden, die im Detektor charakteristische Spuren hinterlassen“, erklärte Kluth. Aus diesen Spuren können die Wissenschaftler Rückschlüsse ziehen, welche Teilchen erzeugt wurden. „Dadurch kann man zum Beispiel Teilchen experimentell nachweisen, die theoretisch bekannt sind und zum Teil grundlegend die Theorie bestätigen.“ Als Beispiel nannte Kluth hierfür das Higgs-Teilchen, das vor zweieinhalb Jahren entdeckt wurde. „Damit die Theorie der Teilchenphysik aufgeht, muss auch das Higgs-Teilchen existieren“, sagte Kluth. Außerdem versuchen die Forscher den Zustand unmittelbar – etwa einen Milliardensten Teil einer Sekunde - nach dem Urknall zu erforschen. In einem weiteren Teil seines Vortrags gab Kluth einen kurzen Einblick in den Aufbau des Experiments der soeben nachgewiesenen Gravitationswellen, die schon von Einstein vorhergesagt worden waren.

 

Nach dem kurzweiligen, aber dennoch inhaltlich sehr dichten Vortrag konnten die Schüler noch Fragen stellen. Unter anderem interessierten sie sich dafür, warum für eine derart theorielastige Forschung überhaupt öffentliche Gelder zur Verfügung gestellt würden. Kluth meinte dazu, dass wissenschaftliche Forschung den Menschen immer mehr dazu befähige, Vorhersagen zu treffen. „Außerdem ergeben sich als Nebenprodukt von Theorien und Grundlagenforschung auch immer wieder nützliche Dinge, die man vorher nicht erahnen konnte“, meinte Kluth. So sei zum Beispiel die Relativitätstheorie von Einstein zu Beginn eine nutzlose Spinnerei gewesen – heute sei sie jedoch jedem nützlich, der GPS nutzt, denn sonst wären Abweichungen um 100 Meter normal.

 

 

 

 

 

 


 

Physiklehrerin Bauer freute sich, weil durch den Vortrag „direkte Anwendungen des Schulstoffs sichtbar geworden sind“. „Und, wenn Schüler wiedermal die Sinnhaftigkeit der Grundlagenforschung in der Physik in Frage stellen, so wissen sie nun, dass dabei oft zufällig Sachen entdeckt würden, die später von Bedeutung sein können“, sagte Bauer. So zufällig, wie dieser Physikvortrag zum aktuellen Geschehen passte.

 

 

 

Text und Fotos: Andreas Graf