Genf

Studienfahrt zum Forschungszentrum CERN - Reisebericht

Am 21.07. trafen sich  um 7 Uhr 19 tapfere naturwissenschaftlich interessierte Recken, um die Reise zum „Mekka“ der Physik, dem Forschungszentrum CERN bei Genf anzutreten.

Die schweißtreibende Busfahrt, aufgebessert durch langanhaltende Gesangseinlagen, wurde in Altenrhein für eine längere lang ersehnte Pause unterbrochen. Dort konnten wir neben anderem die bekannte Markthalle des österreichischen Architekten Friedrich Stowasser , besser bekannt als Friedensreich Hundertwasser, besichtigen.

Nachdem wir unsere Zimmer in der Jugendherberge bezogen hatten, zog es uns an den Genfer See, dessen, an diesem Abend kaltes, Wasser uns nicht von einem ausgiebigen Bad abhalten konnte.

 Am zweiten Tag, dem Mittwoch, 22. Juli, stand eine Stadtführung sowie der Besuch der UNO auf dem Programm. Der erste Teil der Stadtführung bestand aus einer Rundfahrt mit dem Bus, bei der uns die Stadtführerin Margaret Guida wichtige Gebäude und Merkmale der Stadt aufzeigte. Imposant schienen uns vor allem die „Genfer Fontäne“ und der wunderschön angelegte Rosengarten.

Auch die Gebäude der verschiedenen internationalen Organisationen, wie die WTO und die WHO, waren sehenswert. Beim Rundgang durch die Altstadt besichtigten wir das Collège Calvin, eine alte Kirche, wobei uns Frau Guida die Bedeutung Calvins für die Stadt Genf, die Schweiz und die ganze Welt erläuterte. Calvin reformierte Anfang des 16. Jahrhunderts die Schweiz und führte eine puritanische Glaubensbewegung ein. Anschließend gingen wir noch zum „maison tavel“, in dessen Dachboden wir eine sehr detaillierte Miniaturdarstellung der Stadt Genf bewunderten.

Nach einer kurzen Mittagspause ging es auch schon weiter zur UNO. Nach einer etwa halbstündigen Sicherheitskontrolle trafen wir uns mit einer kompetenten Angestellten. Diese führte uns durch die zwei UNO Hauptgebäude und brachte uns die Funktion der UNO nahe. Neben einigen Geschenken der Mitgliedsstaaten an den Wänden besichtigten wir den Plenarsaal und einen erst kürzlich erbauten Saal mit einer sehr aufsehenerregenden Decke, die von einem Mexikaner gestaltet wurde und aus sehr vielen verschiedenfarbigen künstlichen Stalaktiten besteht. Das Gebäude stellt ein architektonisches Meisterwerk dar.

Als Fazit des Tages kann man sagen dass wir an diesem Tag sehr viele Informationen über die Stadt Genf und die UNO erhalten haben.

 Am Donnerstag, unserem dritten Tag in Genf, besuchten wir am Vormittag zuerst das Microcosm des CERN. Dort erhielten wir eine Führung von dem Detektorenphysiker Herrn Dr. Th. Meyer, der uns in die Arbeit der dortigen Wissenschaftler näher brachte. Zu Beginn der Führung erhielten wir eine Einführung in die Welt der kleinsten Teilchen und die Möglichkeit diese mit den großen Objekten, wie z.B. Galaxien, im Weltraum zu vergleichen. Im LHC (Large Hadron Collider), auf den er danach zu sprechen kam, ist es möglich die Augenblicke nach dem Urknall nachzustellen.

Des weiteren zeigte er uns einen ausgemusterten Detektor an dem er mehrere Jahre gearbeitet hat. Diese werden dazu benutzt die Produkte solcher Teilchenkollisionen zu erfassen.

Es war für uns möglich, selbst die verschiedenen Kräfte, wie z.B.  Magnetkraft oder die starke Kernkraft spielerisch zu ergründen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei einer Elektronenquelle zuteil. Dabei zeigte sich bei einigen von uns eine ausgeprägte Spielernatur.

Auch auf die sozialen Probleme einer Einrichtung wie CERN, in der 2000 Physiker auf engstem Raum miteinander arbeiten kam er zu sprechen. Er empfindet es als wichtig, dass Projekte innerhalb einer Physikergeneration durchgeführt werden sollten, da sonst Konflikte zwischen jungen und alten Physikern auftreten.

 Am Nachmittag besuchten wir das Museum für Auslandsschweizer. Auch dort erhielten wir wieder eine Führung. Auf sarkastische, sowie ironische Art und Weise brachte uns Herr Zurfluh, der Leiter des Museums, der übrigens Schweizerdeutsch sprach, die Geschichte der Schweiz näher.

Dabei schaffte er es hervorzuheben, dass es der Schweiz immer gelang sich durch diplomatisches Geschick aus Kriegen anderer Länder herauszuhalten und mit diesen sogar noch Geld, z.B. durch Waffenverkauf oder Söldnertum, zu verdienen. Durch das Söldnertum, also dem Militärdienst im Ausland, z.B. für den französischen König, „konnten sich die jungen Schweizer im Ausland austoben“ und verursachten somit durch ihren überbordenden, jugendlichen Elan  der Schweiz selbst keine Probleme.

Dies wurde zum Grundstein für den enormen Reichtum der Schweiz und es konnte sich dadurch zum „Steuerparadies“ entwickeln.

Herr Zurfluh empfindet es deshalb auch als ungerecht von anderen europäischen Ländern, wie z.B. Deutschland, für die niedrigen Steuern angeklagt zu werden.

Besonders deutlich wollte er uns hierbei machen, dass für die Schweizer das Geld nur ein angenehmer Nebeneffekt war und das eigentliche Ziel der Auslandsaktivitäten das Prestige und ein Netzwerk zu mächtigen Leuten war.

Nach dieser sehr unterhaltsamen Führung widmeten  wir uns nach dem Abendessen in der Jugendherberge wieder dem gemütlicheren Teil am Ufer des Genfer Sees.

 Am Freitag trafen wir Dr. Klaus Blaum, einer der Direktoren des Max-Plank Instituts für Kernphysik in Heidelberg, um uns einen Einblick in die Arbeit seiner Forschungsgruppe am CERN zu geben. Diese befasst  sich mit der Bestimmung der Masse einzelner Elemente und deren Isotope. Ziel der Arbeiten ist es, die SI- Einheiten auf Naturkonstanten, welche möglichst exakt erfasst werden, zurückzuführen.

Die Genauigkeit der Experimente mit der „Penningfalle“, die ein Ion mithilfe von elektrischen und magnetischen Feldern konserviert, reicht soweit, dass man in der Lage wäre, eine Erbse an Bord eines Airbus A380 zu „detektieren“. Am Ende des Einführungsvortrags konnten wir als Laien viele Fragen, die sofort umfassend beantwortet wurden, zu allen Bereichen des CERN stellen.

Auf dem Weg zur Kantine, wo wir das Mittagessen einnehmen sollten, bot sich außerdem die Gelegenheit von dem Wissenschaftler auch über persönliche Dinge und das Alltagsleben eines Forschers Auskunft zu erlangen.

Anschließend wandelten wir auf den Spuren der Verfilmung des Romans „Illuminati“ , da wir die Produktionsstätte von Antiwasserstoff besichtigten. Dieser wird zurzeit für Experimente zur Bestrahlung von Tumoren verwendet. Wie nicht anders zu erwarten war, relativierte sich während der englischsprachigen Führung durch einen jungen renommierten Physiker unser erster Eindruck von CERN und der Arbeit mit Antimaterie.

Später besuchten wir die Forschungsgruppe „Isolde“, bei der Dr. Klaus Blaum mitwirkt. Dass die Arbeit als Physiker auch gefährlich sein kann, bemerkten wir, als wir eingangs und ausgangs unsere Hände auf Radioaktivität überprüfen und während des Vortrags Dosimeter mitführen mussten. So konnten wir nun die „Penningfalle“ in natura erleben und bekamen einen Eindruck von der  gewaltigen Kraft eines supraleitenden Magneten.

Zum Schluss  stärkten wir uns bei Kaffe und Kuchen, da wir durch die Fülle an Informationen innerhalb kürzester Zeit doch etwas mitgenommen waren. Wieder einmal bot sich hier die Gelegenheit mit Dr. Klaus Blaum über seine wissenschaftliche Tätigkeit oder zum Beispiel  über die derzeitige Arbeitsmarktsituation als Physiker zu sprechen.

Insgesamt war der Tag am CERN sehr interessant, da wir einen umfassenden Einblick in die Institution CERN erhielten und uns unser kompetenter Führer immer alles verständlich erklären konnte.

Am Samstag machten wir uns ausnahmsweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zum botanischen Garten. Wir stiegen also auf dem „Place de Nation“ aus. Der „Broken Chair“, ein Mahnmal gegen Landminen, wie auch die Flaggenaufstellung vor dem Haupteingang der UN waren von Nahem betrachtet sehr eindrucksvoll.

Am „Conservatoire et Jardin Botaniques Ville de Genève“ erhielten wir einige Informationen von den zwei Mädchen aus unserer Gruppe. Der Garten wurde 1817 von August- Pyrame de Candolle gegründet und beherbergt mittlerweile über 6000000 verschiedene Pflanzen. Der zu den drei größten in Europa zählende Botanische Garten in Genf dient der Öffentlichkeitsarbeit und als Anschauungsobjekt für Universität und Fachhochschule, als Genreservoir in Form von Samenbanken und sichert durch Katalogisieren und Systematisieren eine geordnete Artenvielfalt.

Bei unseren Rundgang durch einen Teil des Arboretum bekamen wir einige unbekannte Bäume zu Gesicht. Dem Arboretum schlossen sich nahtlos die Felsgärten mit teilweise auch bei uns beheimateten Pflanzen an, wie beispielsweise der Lavendel. Die Blütenpracht wurde auch von kleinen Gewässern unterbrochen, welche als Lebensraum für zahlreiche Insekten, Frösche und Fische dienen. Des weitern besuchten wir das Ausstellungsgewächshaus, u.a. mit der Victoria cruziana, der Königlichen Riesenseerose, deren Blätter auch Kleinkinder tragen könnten. Nach der Blühenden Mauer und dem Garten der Nutz- und Heilpflanzen besuchten wir schließlich das Gewächshaus mit gemäßigtem Klima. Dort gediehen vor allem Kakteen und Pflanzen aus Südamerika.

An einem kleinen Tierpark mit Rehen, Enten und Flamingos vorbei gelangten wir zum Riech- und Tastgarten, in dem wir unsere Sinne testeten und zum Beispiel an einer Rose, die einen Whiskeygeruch verströmen sollte, rochen.

Am frühen Nachmittag stand noch das historische Wissenschaftsmuseum auf dem Programm. Dort übten die besonders zahlreiche Zahnratkonstruktionen eine Anziehungskraft auf die Gruppe aus. Auch die alten Geräte zur Navigation und Meteorologie waren interessant anzusehen.

 Bereits kurz nach dem Aufstehen am nächsten Morgen erkannten viele von uns, dass dieser Tag einer der schönsten und sonnigsten auf der Genffahrt wird. Pünktlich starteten wir den Tagesausflug um 09:15 Uhr, der dieses mal von einem aus unserer Gruppe organisiert und geleitet wurde. Wir fuhren auf der Autobahn über Lausanne nach Montreux und konnten kurz vor Ankunft einen herrlichen Blick über Berge und „unseren“ See von einer Hochautobahn aus  werfen. Montreux liegt in einer Bucht am Nordufer des Genfer Sees und ist von 2000 Metern hohen Bergen umringt, welche ein grandioses Panorama garantierten.

Zum Auftakt der Wanderung erhielten wir am Informationszentrum von Montreux einige geographische Hinweise, z.B. dass in Montreux trotz der Lage in den Schweizer Alpen ein sehr mildes, fast südländisches Klima herrscht, ideal für Palmen, Zypressen und anderen Pflanzen. Aus diesem Grund war und ist Montreux schon seit Jahrhunderten eine sehr beliebte Stadt für Touristen gewesen. Auf den Hügeln konnte man noch einige etwas ältere Kurbäder und Residenzen ehemaliger Fürsten erkennen. Direkt an der Strandpromenade findet man auch noch alte, aber immer noch exklusive Hotels, die bei den Reichen und Schönen der Welt einen Namen haben (z.B. Montreux-Palace oder das Grandhotel).

Das nächste Ziel auf der Tagestour war die Markthalle (Place du Marche), wo die Gruppe Informationen über die Geschichte der Stadt und des Umlands bekam. Die ersten Spuren einer Zivilisation weisen bereits auf das Bronzezeitalter zurück. Hier siedelten auch Römer, entlang ihrer Heeresstraße bauten sie Villen, um hier rasten zu können. Im Mittelalter war Montreux und die Dörfer in der Umgebung im Besitz der Kirche, bzw. des Bischofs von Sion. In dieser Zeit entstand auch der Name Montreux, was sich aus dem lateinischen „monasterium“ ableiten lässt. Im weiteren Verlauf der Geschichte blieb Montreux eine reine Dienstleistungsstadt (hauptsächlich Tourismus) mit nur sehr wenige Industrie (z.B. Schokoladenfabriken) und Landwirtschaft (fast nur Weinanbau).

Danach legten wir noch einen kurze Pause ein bei dem Freddy Mercury Memorial und bei dem Casino, welches 1971 vollständig abgebrannt ist während die Gruppe Deep Purple im benachbarten Hotel untergebracht waren. Auf Grund dieser Erfahrung entstand der Welthit „Smoke on the Water”.

Nach einer kurzen Mittagspause starteten wir unsere eigentliche Wanderung nach Le Bouveret. Der erste Stopp galt dem berühmten Wasserschloss Chillon. In Villeneuve machten wir einen knapp einstündigen Zwischenhalt und ein paar von uns nahmen die Gelegenheit war und gingen eine Runde schwimmen. Weiter ging es dann durch das Rhône-Delta, durch Wälder und vorbei an Kanälen bis wir endlich in Le Bouveret ankamen. Danach fuhren wir über Frankreich nach Genf zurück. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Ausflug nach Montreux und die Wanderung von dort über Villeneuve nach Le Bouveret eine sehr gute Abwechslung zum Museums – und Stadtprogramm in Genf war. Wir konnten mal wieder gute Landluft schnuppern und ein herrliches Wetter genießen.

 Zu Beginn der neuen Woche stand der Besuch des Rot-Kreuz und Roten-Halbmond Museums auf dem Programm. Das bewusst versteckt angelegte Museum versinnbildlicht die oft im Verborgenen stattfindende Arbeit des Roten Kreuzes. Unsere Führerin Frau Mallot erklärte uns die architektonischen Besonderheiten, welche das Wirken des Roten Kreuzes charakteristisch symbolisieren. In einem hauptsächlich emotional geprägten Vortrag wurden uns die zum Teil unmenschlichen Hintergründe, in denen sich das Rote Kreuz zu agieren verpflichtet hat, bewusst. So sahen wir zum Beispiel eine enge Gefängniszelle für Kriegsgefangene von Innen, oder ein Versorgungspaket für eine fünfköpfige Familie.

Die Intention der Organisation besteht vor allem in der Hilfe zur Selbsthilfe. Nach einigen bedrückenden Beispielen wurde uns die geschichtliche Entwicklung näher gebracht. Obwohl die Gründung des Roten Kreuzes durch Henry Dunant erst 1863 war, ist der Drang, Menschen zu helfen, weitaus älter. Jedoch war er der Erste, der, nachdem er in der Schlacht von Solferino 1859 die Leiden der Verwundeten sah, die Initiative ergriff, jedem Verwundeten ungeachtet seiner Nationalität zu helfen. Das Rote Kreuz wurde später in Anlehnung an die Schweizer Flagge und deren Neutralität gewählt. Dieses Kreuz wurde jedoch in der Folgezeit fälschlicherweise als christliches Symbol missverstanden, was zur Einführung des Roten Halbmondes als anerkanntes Alternativsymbol führte. Nach der Gründung gibt es bis heute vier Konventionen, welche die Arbeit des Organisationen erleichterten und den Wirkungsbereich von bloßer Kriegsopferhilfe bis zur Hilfe für die Zivilbevölkerung erweiterten. Ein großer Aufgabenbereich ist neben der medizinischen Versorgung auch die Zusammenführung der durch Krieg und Katastrophen getrennten Familien. Die große Zahl und der enorme Aufwand, der hinter dieser Arbeit steht, wurde uns durch die rund sieben Millionen Karteikarten aus dem ersten Weltkrieg, die allerdings nur einen Teil des tatsächlichen Archivs darstellte, bewusst.

Mittags gab es dann in der Kantine eine bereits hoch angepriesene Lasagne. Der letzte Nachmittag der Studienfahrt wurde uns zur freien Verfügung gestellt, welcher von vielen zum Einkaufen, Baden und Schlafen genutzt wurde.

 Am 28.07 standen wiederum 19 tapfere, nun naturwissenschaftlich gebildetere Recken bereit, um die lange Heimreise nun im Stillen anzutreten. Die anstrengende erlebnisreiche Woche hatte für Erholungsbedarf auf der Rückreise gesorgt.

In Lindau, am Bodensee, hielten wir noch für eine letzte größere Pause an, um uns die Altstadt und den Hafen anzusehen.