Mathematischer Stadtrundgang

 

Mathematik einmal anders (vgl. auch: Auszeichnung mit dem Christa Habrich-Preis)

 

Eichstätt (EK) "Outdoor-Mathematik". Wen interessiert das schon? Oder doch? Zu einem mathematischen Stadtrundgang durch Eichstätt war eine große Anzahl Interessierter gekommen. 40 Kinder waren es, dazu noch die Eltern, wesentlich mehr als erwartet.

 


Der Meterstab gehörte zur Grundausstattung. Damit stellten die Kinder allerlei spannende Berechnungen an.

 

Das P-Seminar des Willibald-Gymnasiums führte dieses Projekt durch. An markanten Punkten der Stadt, vom Osttor der Stadtmauer bis zum Freiwasser, erlebten die Kinder, aber auch die Eltern, dass Mathe etwas mit dem Leben zu tun hat und Spaß machen kann.

 


Ausgestattet mit vielerlei Utensilien, steht die Gruppe am Osttor der Stadtmauer. Am "Eingang zur Stadt" sollen die Kinder mit Hilfe von Schnur, Stadtplan und Lineal herausfinden, wie lang die Stadtmauer ursprünglich gewesen ist. Die Maßstabsumrechnung vom Stadtplan zur Wirklichkeit ergibt 1,96 Kilometer. Die kniffelige Frage folgt gleich: Wie viele Menschen bräuchte man, um die alte Stadtmauer zu umstellen, wenn die Schulterbreite circa 50 Zentimeter beträgt? Raphael hat es gleich verstanden: "50 Zentimeter, ein halber Meter, zwei Menschen auf einen Meter, auf 1960 Meter passen 3920 Menschen, also mehr als doppelt so viele als damals innerhalb der Mauer wohnten."

 


An allen Stationen geben die P-Seminaristen kurze geschichtliche und kindgerechte Informationen. So erfahren die Teilnehmer am Pater-Philipp-Jeningen-Platz von der Freundlichkeit und dem Humor des Namensgebers und dass die Kinder ihn den "guten Pater Philipp" genannt hatten.

 

 

Dementsprechend locker geht es am Brunnen zu, auf spielerische Art über Schätzaufgaben hin zu Volumenmessung und Berechnung. Es ist herauszufinden, wie viele Liter Wasser pro Tag aus den Düsenöffnungen fließen. Das Ergebnis: 12 960 Liter strömen aus den neun Öffnungen in 24 Stunden. "Wahnsinn, das kann man sich doch gar nicht vorstellen, diese enorme Wassermenge bei den kleinen Fontänen", zeigt sich Moritz überrascht.

 

Nun ist noch die Lösung für die Zusatzaufgabe zu errechnen: In trockenen Gebieten der Erde haben die Menschen nur drei Liter Wasser täglich zur Verfügung. Dort könnten also 4320 Menschen mit der täglichen Fördermenge des Brunnens zurechtkommen.

 


Auf dem Domplatz heißt es wieder überlegen, schätzen, messen und rechnen. Ein Kunstwerk in Form eines Auges vergleichen die Schüler mit ihrem eigenen Auge und errechnen dann die Größe eines Riesen. Wie groß wäre ein Riese mit diesem Auge? Könnte er sich im Seitenschiff des Doms schlafen legen? Im Dom stellt Karin fest: "Mein Riese ist 30 Meter groß, er könnte sich also hier schlafen legen."

 

Am Freiwasser gilt es, mithilfe einer Stoppuhr und eines Blattes aus dem Herbstlaub die Fließgeschwindigkeit zu messen und dann zu errechnen, wie lange ein Wassertropfen von der Altmühlquelle bis zur Altmühlbrücke braucht. "Schwer zu schätzen." Da waren auch die Erwachsenen auf die Rechnungen der jungen Mathematiker sehr neugierig. "Acht Tage bei einer Fließgeschwindigkeit von fünf Sekunden pro Meter" erbrachten Messung und Rechnung.

 

Der Franz-Xaver-Platz, so die Erklärung der Gymnasiasten, steht ganz im Zeichen der Geometrie. Dort werden die Kinder mit der sogenannten "Gärtnerellipse" an Konstruktionsaufgaben herangeführt. Diese Zirkel sind sie dabei selbst. Die Pflastersteine des Platzes dienten zur anschaulichen Überprüfung des Vier-Farben-Satzes.


Tobias Krause, Sprecher des P-Seminars, zieht Bilanz: "Der heutige Tag war meiner Meinung nach sehr gelungen. Alle Mitglieder des P-Seminars und unsere Lehrerin Ulrike Laumeyer sind sehr zufrieden. Die große Nachfrage und das Interesse von Kindern und Eltern bestätigen dies."

 

 

Von Franz Bauer

Am 24. November 2016 wurde das P-Seminar
unter der Leitung von Frau OStRin Laumeyer
mit dem Christa-Habrich-Preis ausgezeichnet.
Herzlichen Glückwunsch!