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Inprimisque hominis est propria veri inquisitio atque investigatio. Itaque cum sumus necessariis negotiis curisque vacui, tum avemus aliquid videre, audire, addiscere cognitionemque rerum aut occultarum aut admirabilium ad beate vivendum necessariam ducimus. Ex quo intellegitur, quod verum, simplex sincerumque sit, id esse naturae hominis aptissimum. (Cicero, de officiis I, 13)

 

           Dionysische Masken aus Pompeji (Schülerarbeit von Annika Leonie Hamilton, Klasse 7B)

Besonders ist das Aufsuchen und Aufspüren der Wahrheit ein charakteristisches Merkmal des Menschen. Deshalb haben wir, immer wenn wir von den notwendigen Tätigkeiten und Sorgen frei sind, Freude daran, etwas zu sehen, zu hören, dazuzulernen, und die Erkenntnis verborgener und bewunderungswürdiger Gegenstände halten wir für notwendig zum glücklichen Leben. Daraus sieht man, dass, was wahr, aufrichtig und unverfälscht ist, der Natur des Menschen am meisten entspricht.

Bildung erschöpft sich nicht im Erwerb von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen, die den Menschen brauchbar machen für das Berufsleben, also in dem, was wir Ausbildung nennen, wozu es auch gehört, sich in einer modernen Fremdsprache eloquent* ausdrücken zu können. Vielmehr richtet sich Bildung auf die Person im Ganzen, will den Menschen in seinem Menschsein erreichen und ihn dazu bringen, in übergreifenden Zusammenhängen und zugleich differenziert* zu denken, sich grundsätzliche Fragen zu stellen, nicht nur den Betrieb richtig zu führen, sondern das eigene Leben. Sind ein hohes Einkommen und eine steiler Aufstieg in Beruf und Gesellschaft identisch* mit Glück im Sinne eines gelingenden Lebens? Oder taucht nach dem Erwerb des Reichtums die *Kardinalfrage, was kaufe ich mir, was fange ich an mit all dem Geld, erst auf? Erst recht, wenn nicht alles erreicht wird, was man sich vorgenommen hat, wenn sich Scheitern, Verlust und Unglück einstellen, ist der Mensch auf seine Bildung im Sinne der Persönlichkeitsformung angewiesen, braucht etwas für sich selbst, nicht etwas für das Berufsleben. Wahre Bildung begleitet den Menschen durch sein ganzes vergängliches Leben, gelangt nie an ein Ende, verleiht dem Leben Sinn und ist auch dann noch da, wenn wir alt geworden und nicht mehr beruflich tätig sind.

* Latein wird immer noch gesprochen und geschrieben.