Vorbereitung der Exkursion nach Weimar

Goethe, Schiller – zwei Namen, die bestimmt jeder schon gehört hat, und sei es im Monopoly-Brettspiel. Doch auch ohne die Erfahrungen mit dem Spiel wissen die meisten, wer sich hinter diesen beiden Namen verbirgt. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren die wohl bekanntesten Schriftsteller, Dichter und Denker des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, und ihre Werke werden auch heute noch in jedem Gymnasium behandelt. Dramen wie „Iphigenie auf Tauris“, „Maria Stuart“ oder „Faust“ gehören dabei zur Stammlektüre jeder Oberstufe. Da zum Lehrplan außer der Behandlung der Dramen  auch die Vermittlung von Hintergrundwissen gehört, ist unserer Deutschlehrerin, Frau Uhl-Schiller, die Idee gekommen, zur Veranschaulichung von Letzterem mit uns zur Wirkungsstätte der beiden nach Weimar zu fahren.

 

Reiterstandbild des Herzogs Carl August

Der Vorschlag kam im Januar 2012, als Frau Uhl-Schiller der damaligen Klasse 10a von der „Klassik Stiftung Weimar“ erzählte, welche Gymnasialklassen in ganz Deutschland einen einwöchigen Aufenthalt in Weimar ermöglicht. Nach der Darlegung einiger genauerer Informationen beschloss die Klasse, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Anfang dieses Schuljahres begannen dann die Vorbereitungen. Diese bestanden zum einen aus allgemeinen Informationen über die Epoche der Klassik, Weimar und die bekannten Personen (Goethe, Schiller, Wieland, Herder, Anna Amalia und Karl August) in Form von 14 Referaten, welche die Schüler hielten, und zum anderen aus detaillierten Informationen über die Fahrt und die Stiftung von Frau Uhl-Schiller.

In den Referaten wurde zuerst die Frage besprochen: „Warum eigentlich Weimar?“ Weimar war zur damaligen Zeit die Hauptstadt des kleinen und hochverschuldeten Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Nach dem frühen Tod  des Herzogs Ernst August 1758 kam seine noch junge Ehefrau Anna Amalia auf den Regierungsthron. Das war der Beginn des Aufstiegs von Weimar, denn die junge Dame verwandelte die Stadt nach und nach in das Blütezentrum für Literatur, Kunst und Musik Deutschlands.

Den Anfang dazu machte sie 1772 durch die Einladung des damals sehr anerkannten Aufklärers und Schriftstellers Christoph Martin Wieland, dessen Aufgabe vorerst darin bestand, ihren Sohn und späteren Thronfolger Carl August zu erziehen. Dieser lud im Jahre 1775 den Autor des „Werthers“, Johann Wolfgang von Goethe, nach Weimar ein und bot ihm mehrere umfassende Ministerposten an. Der damals in Frankfurt lebende Goethe nahm das Angebot an, wobei ihn vor allem die Möglichkeit reizte, seine fortschrittlichen Ideen in die Tat umzusetzen. Auch die Theaterarbeit Anna Amalias stellte für ihn ein attraktives Ziel dar. Mit Goethe wurde Weimar zum Zielort vieler bekannter Geister und entwickelte sich auch durch Anna Amalias Begeisterung für die Künste zu einer Kulturmetropole.

Goethe holte zu diesem Zweck 1776 Johann Gottfried Herder nach Weimar, der durch seine Ideen zur Humanität bereits eine theoretische Grundlage für das Gedankengut der Weimarer Klassik schuf.  Nach der Ankunft des von Schulden geplagten Friedrich Schiller 1794, der sich mit seinem Aufenthalt in Weimar neue literarische und geistige  Kontakte und vor allem finanzielle Konsolidierung versprach, konnte das Zeitalter der Weimarer Klassik beginnen. In diesem kam es nach anfänglichen Diskrepanzen zwischen Goethe und Schiller zu einer engen Zusammenarbeit und Freundschaft, aus der die bekannten klassischen Dramen der beiden Autoren  entsprangen. Außerdem ermunterte Schiller Goethe dazu,  den „Faust“ zu Ende zu bringen.

 

Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gerade dieses einzigartige Beziehungsgeflecht der führenden geistigen Größen, der Förderung durch den Hof und den Bemühungen des Adels und des Bürgertums von Weimar, mit dieser Bewegung Schritt zu halten,  die Grundlagen für die Schaffung dieser herausragenden deutschen Literatur darstellten.

Jäh endete das „klassische Jahrzehnt“ 1805 mit Schillers Tod. In der Zeit danach

entwickelte Goethe sich literarisch weiter und kümmerte sich um die Herausgabe seiner Werke, wobei er darauf bedacht war, sein Bild für die Nachwelt zu idealisieren. Währenddessen gab  Carl August seinem Herzogtum  1816 die erste Verfassung eines deutschen Staates. Goethe selbst verfolgte seine eigenen, immer weniger politischen Ziele und  starb 1832.

Unter Carl Augusts Nachfolgern erlebte  die Stadt im 19. Jahrhundert  auf  künstlerischer und kultureller Ebene einen neuen Aufschwung. Musiker wie List und Wagner trugen ebenfalls dazu bei wie die Maler Arnold Böcklin oder Franz Lenbach. Die von ihnen geprägte realistische Kunstströmung ging als Weimarer Malerschule in die Kunstgeschichte ein.

Weimarer Schloss

Noch im 20. Jahrhundert kam der Stadt eine herausragende Bedeutung zu. Im Jahre 1919 fand im Deutschen Nationaltheater in Weimar die verfassungsgebende Versammlung der Nationalversammlung statt und 1919 wurde dort die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus gegründet. Doch nicht nur die Glanzpunkte der deutschen Geschichte, sondern auch ihre Schattenseiten sind mit dem Namen Weimar verbunden: Das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Die Zahl der Todesopfer wird auf über 50000 geschätzt.

Blick auf den Ettersberg mit dem Konzentrationslager Buchenwald