Dr. Faust als dauerhaft attraktiver Theaterstoff

Marionettentheater für die 5. und 6. Jahrgangsstufe

Im Juli 2016 führte das traditionsreiche Marionettentheater Bille aus Leipzig das Theaterstück „Doktor Faust“ vor der 5. und 6. Jahrgangsstufe auf.  Die Handlung geht auf den historischen Faust zurück, dessen schillerndes Leben schon zu Lebzeiten Anlass zur Legendenbildung gab. Seit Jahrhunderten fasziniert dieses Drama das Publikum. Goethe selbst hat es als Kind in einer Aufführung vor dem Frankfurter Römer gesehen, war tief beeindruckt und spielte die Szenen auf dem Puppentheater nach, das die Großmutter dem Vierjährigen zu Weihnachten geschenkt hatte. In „Dichtung und Wahrheit“ erinnert er sich, dass dieser faszinierende Stoff in ihm „gar vieltönig“ „[wider] klang und summet.“ Diesem Zauber konnten sich auch unserer Fünft- und Sechstklässler nicht entziehen und sie verfolgten gespannt das Geschehen, das der Theaterleiter Andreas Bille sehr beeindruckend in Szene zu setzen wusste, bis zu Fausts unausweichlicher Höllenfahrt. Mit dieser emotionalen Annäherung wurde für die Schüler eine Grundlage geschaffen, die ihre spätere Begegnung mit dem Faust-Stoff in der Q11 sicher positiv beeinflussen wird.

Herr Bille gibt vor der Vorführung eine kurze, aber fundierte Einführung in den Stoff, der im Deutschunterricht bereits vorbereitet worden war.

Das Vorspiel führt uns in die Unterwelt, in der Pluto (links) mit Hilfe des Fährmanns Charon (rechts) Mephisto von seiner Aufgabe, überzeugt, Faust zu verführen und seine Seele für die Unterwelt zu gewinnen.

In Fausts Studierstube findet nach einer Geisterbeschwörung Fausts (links) sein erstes Treffen mit Mephisto (rechts) statt.

Fausts Kontrastfigur, der Hanswurst, erweist sich in einer vergleichbaren Situation zwischen Mensch und Geist bedeutend klüger als Faust. Er lässt sich vom Auerhahn, der ebenfalls aus der Unterwelt kommt,  aus einer gefahrvollen Situation retten, ohne ihm dafür seine Seele vertraglich zu vermachen, wie Faust dies Mephisto gegenüber tut.

Ingeborg Uhl-Schiller