Literatur-Werkstatt mit Akos Doma

und Schülerinnen und Schülern am WG

 

"An der Sprache feilen"


Eichstätt (jok) Jungen Leuten Vertrauen in ihr kreatives Potenzial zu geben, eigene Schreibversuche zu wagen und diese weiterzuentwickeln, ist das Anliegen des Eichstätter Autors Akos Doma, der zu diesem Zweck Kreativkurse anbietet.

 

 

Am Willibald-Gymnasium kamen 22 Schüler der 9. und 10. Klassen in den Genuss, an so einem Workshop teilnehmen zu dürfen.

Akos Doma fasste anfangs in einer kurzen Vorstellung seine wichtigsten biografischen Daten zusammen (Geburt in Ungarn, Kindheit in England, Besuch des Gymnasiums in Amberg), bevor er dann einen Einblick in seine Arbeitsweise als Schriftsteller gab. Für ihn ist Schreiben anstrengende Arbeit, die seine volle Konzentration erfordert; deswegen entstehen seine Texte fast ausschließlich nachts, da er absolute Stille braucht, um möglichst lange Passagen an einem Stück verfassen zu können.

 

Für die Zuhörer sehr erhellenend schilderte der Autor die Entstehung eines Buches von der ersten Idee über den Entwurf der Grobstruktur bis hin zum eigentlichen Prozess des Schreibens. In dieser Zeit hat er immer „einen Zettel in der Tasche,“ um Ideen, die ihm einfallen, überall notieren zu können. „In dieser Zeit bin ich wie ein Schwamm, der alle Eindrücke aufsaugt,“ so Doma.

 

Großes Erstaunen löste dann sein Hinweis aus, dass er die erste Fassung seiner Texte bis zu drei- oder viermal überarbeitet. Man muss „an der Sprache, an den Formulierungen feilen,“ bevor das Buch dann dem Verlag übergeben wird, der mit Layout und Vertrieb noch einen bedeutenden Beitrag zum Erfolg eines Buches leistet. Insgesamt arbeitet er an einem Roman bis zu drei Jahre.

 

Daraufhin stellte Doma mehrmals Themen, zu denen die Schüler spontan ihre Ideen niederschreiben sollten. „Zu welchen Dingen hast du keinen Bezug?“ oder „Was mir in meinem Leben einmal Angst gemacht hat...“ lauteten einige Schreibimpulse.

 

Anschließend trugen die jungen Autoren ihre Texte vor. Der Verlust des Urvertrauens, das man als Kind noch hatte, das nun mit dem Eintritt in das Erwachsen-Sein verloren ging und einer gewissen Zukunftsangst gewichen ist, machte einer Schülerin zu schaffen. Ein zentrales Thema bildete immer wieder die Beziehung zu Freunden und Bekannten. Den Mut, jemandem einmal seine Meinung gesagt oder eine kriselnde Freundschaft wieder auf die Reihe gebracht zu haben, schilderten zwei andere Jungautoren. Rückblickend erinnern sich viele noch daran, Ängste überwunden zu haben: Sei es beim ersten Schultag, als man das Gefühl hatte, das erste Mal ohne die Eltern auf eigenen Beinen stehen zu müssen oder im Vorfeld einer kritischen Situation, die dadurch entschärft wurde, dass es jemanden gab, der unverhofft die Hand reichte.

 

Alle vorgetragenen Texte wurden im Plenum diskutiert, wobei Akos Doma nach einer kurzen Analyse Tipps gab und weiter ermunterte: „Versucht eine psychologische Entwicklung der Figur!“ oder „Bau’ noch mehr action rein!“

 

Nach der gemeinsamen Analyse mehrerer Romananfänge berühmter Autoren durften im letzten Teil wieder die Schüler loslegen. Ausgehend von dem Gemälde „Heimkehr der Jäger“ von Pieter Bruegel sollten sie sich in eine Person hineinversetzen, die auf dem Bild zu sehen ist. Während eine Schülerin die ohne Beute heimkehrenden Jäger aus der Perspektive eines Vogels beschrieb, hatte eine andere Schülerin die Sichtweise eines Kindes gewählt, das beim Schlittschuhlaufen auf dem zugefrorenem See die frustrierten Männer beobachtet und daraus schließt, dass es wohl wieder nur Kohlsuppe geben werde.

 

Akos Doma war von der Offenheit, mit der die jungen Autoren ihre persönlichen Gedanken im Plenum präsentierten, überrascht. Bei den Schülern hingegen überwog zuerst einmal der Stolz, dass man für die Veranstaltung, die Fachbetreuerin Ingeborg Uhl-Schiller organisiert hatte, von den Deutschlehrern ausgewählt worden war.

 

Nicole Käufler, die selber schon Texte verfasste, hat jedenfalls davon profitiert, „Tipps von einem Profi“ bekommen zu haben. Sandra Schmidt hingegen ist aufgefallen, dass Akos Doma „mit wenigen Worten zum Schreiben motivieren kann.“

 

Johann Kraus