Gemeinsam im Open-Air-Klassenzimmer

 

Erd-Kunde im wahrsten Sinne des Wortes stand in der vergangenen Woche im Schulzentrum Schottenau auf dem Stundenplan: Drei Tage lang haben die Schülerinnen und Schüler von Mittelschule und Willibald-Gymnasium gemeinsam die Erdwälle des Pausenhofs bepflanzt. Damit neigt sich auch die Außensanierung des gesamtes Schulgeländes dem Ende entgegen.

Entstanden ist die Idee für diese Pflanzaktion aus einem kleinen Anliegen: Die Fachschaft Biologie des Willibald-Gymnasiums wünschte sich schon seit längerem einen Schulgarten. „Im Rahmen der Neugestaltung des Pausenhofs sollte das doch möglich sein“, sagte sich Nina Kreuzer, Biologielehrerin am WG. Schnell war man sich einig: Wenn die Schüler sich um einen eigenen Garten kümmern wollen und sollen, warum lässt man ihnen dann nicht auch die gesamte Anlage bepflanzen.

 

Auch die Mittelschule war von der Idee angetan und schnell mit im Boot. Nachdem auch noch Stephanie Hackl, die als Landschaftsarchitektin die Neugestaltung verantwortet und betreut, grünes Licht für diese Idee gegeben hat, stand einer gemeinsamen Pflanzaktion nichts mehr im Wege.


 


Am vergangenen Mittwoch war es dann soweit: Hackl hat den Schülern von Mittelschule und WG einen Crashkurs im Setzen von Pflanzen gegeben. „Wichtig ist vor allem, dass der Pflanzenballen tief genug ins Erdreich gesetzt wird“, sagte Hackl. Ausgestattet mit kleinen Schaufeln machten sich die Schüler ans Werk. Jeder beteiligten Jahrgangsstufe war im Vorfeld in Bereich zugeteilt worden. Schon auf den ersten Blick sieht man jedoch schnell, dass nicht jeder mit einer Schaufel aufgewachsen ist. Während die einen noch recht verunsichert und zum Teil mit zwei Händen versuchen, ein kleines Loch für die Pflanzen zu graben, sieht das bei den anderen schon ganz geübt aus: „Das macht richtig Spaß“, sagt etwa Emma aus der sechsten Klasse der Mittelschule. „Zu Hause habe ich schon öfters Blumen pflanzen dürfen“, gibt sie unumwunden zu. Überhaupt sei die Arbeit in der Natur besser als Unterricht. Und das sieht man den Schülern auch an: Der Tausch der Klassenzimmer gegen diesen großen Open-Air-Unterrichtsraum macht auch den Nicht-Botanikern Freude. Selbst der ein oder andere Lehrer greift zur Minischaufel – sei es aus Freude am Mitarbeiten, sei es aus Mitleid mit den Schülern.

 


Nach drei Tagen Pflanzaktion haben sich die brauen Erdhaufen vor den beiden Schulen in ein recht grünes Meer verwandelt. Vor allem ein Immergrün als Bodendecker wurde verpflanzt. Aber auch Spiraea-Büsche kamen zum Einsatz: „Diese Pflanze ist beliebt bei Insekten, Schmetterlingen und Biene“, weiß Kreuzer zu berichten. Außerdem werden Pfeifengras und Wurmfarm in Zukunft die Grünanlagen des Pausenhofs schmücken. Insgesamt haben die Schüler sage und schreibe 13 000 Stauden eingebuddelt, wie Hackl mitteilte.

Und für den eigentlichen Wunsch war natürlich auch noch Platz: Sowohl für die Mittelschule als auch für das Gymnasium entsteht ein eigener Schulgarten. Das WG baut dort Erdbeeren und verschiedene Beerensträucher an. In einem Hochbeet wird Gemüse herangezüchtet, das im Unterricht der fünften Klassen eingesetzt wird. Eine Bienenwiese rundet die Pflanzaktion ab.


Auch die Mittelschule wird einen Schulgarten bekommen. Das Hochbeet dafür haben sich die Schüler der Praxisklasse selbst gebaut, wie Erich Kraus, der Rektor der Mittelschule, mitteilte. Vor allem Kräuter sollen dort angebaut werden. Diese sollen dann im Fach Soziales, in dem unter anderem auch gekocht wird, gleich zum Einsatz kommen.

Claus Schredl, der Schulleiter des WG, ist von der gemeinsamen Pflanzaktion hin und weg: „Es ist immer schön, in der Natur zu arbeiten.“ Schredl glaubt auch, dass die Schüler mit dieser Bepflanzung sorgsam umgehen werden. „Denn was man selbst gepflanzt hat, das schützt man.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt auch sein Schulleiterkollege der Mittelschule: „Weil jede Klasse ihren eigenen Bereich hat, ist das Verantwortungsgefühl hierfür besonders hoch“, meinte Kraus.

 Text und Foto: Andreas Graf